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Der schönste Audi wird noch besser Audi A7 Sportback 55 TFSI quattro im Test

Kapstadt, 9. Mai 2018
Der Audi A7 Sportback stach bisher schon aus der Masse hervor. Als eines der wenigen viertürigen Coupés am Markt konnte er unter anderem mit seinem italienisch angehauchten Design überzeugen. Seit Sommer 2010, als er erstmals auf den Markt kam, hat Audi immerhin mehr als 200.000 Einheiten weltweit abgesetzt – ein Bestwert in diesem Segment, das vom Mercedes CLS und dem BMW 6er Grand Coupé flankiert wird.

Ein schönes Auto noch schöner
Nach so langer Zeit muss nun die zweite Generation des A7 anrücken. Und finden Sie nicht auch? Das schöne Auto ist noch schöner geworden. Am Heck haben sie in Ingolstadt vielleicht ein wenig zu viel glatt gebügelt, der bootshafte Schwung des Vorgängers um die Rückleuchten wurde eingeebnet, aber sonst: sehr eigenständig, sehr schick, sehr gelungen!

Hightech mit großer Klappe
Und innen? Die Komponenten im Hightech-Armaturenbrett kennen wir schon aus dem großen Audi A8, der im Spätherbst 2017 auf den Markt kam. Doch im A7 wirkt alles ein wenig überschaubarer, irgendwie intimer, und nach meiner ersten Testfahrt weiß ich auch, dass hier das agilere, sportlichere Fahrzeug steht, das fast alles kann, was der A8 kann. Dabei kostet es über 25.000 Euro weniger als der A8 und hat auch noch eine große Heckklappe.

Innen geht es sehr ruhig zu
Doch von vorn: Grundlage des Audi A7 Sportback ist der modulare Längsbaukasten. Ein Mix aus Stahl und Alu erhöht die Torsionssteifigkeit der Karosserie gegenüber dem Vorgänger um zehn Prozent und die Quersteifigkeit um 30 Prozent. Das kommt dem Fahrkomfort zugute, die Abrollgeräusche sind kaum wahrnehmbar. Nicht zuletzt dank schaltbarer Motorlager ist die Ruhe im Innenraum enorm hoch – trotz der ultraschicken rahmenlosen Seitenscheiben.

Mit Laserfernlicht
Auch mit den Leuchten will Audi seine Technikleidenschaft unterstreichen. In den Topvarianten des A7 findet sich daher ein Laserfernlicht, dass die doppelte Reichweite wie ein "normales" LED aufweist und für Kenner an einem blauen Marker im Reflektor erkennbar ist. Am Heck findet sich darüber hinaus ein Lichtband, das die Leuchten verbindet. Zudem gibt es einen Spoiler, der bei 120 km/h elektrisch ausfährt.

Viel Platz bei 4,97 Meter Länge
Steigen wir einmal ein. Platz bietet der neue A7 ausreichend. Vorne logiert man fürstlich auf sehr bequemen, viel Halt gebenden, aber aufpreispflichtigen Multikontursitzen, die sich weit nach hinten verstellen lassen. Zudem können sie belüftet werden und bieten auch noch eine Massagefunktion mit verschiedensten Optionen zur Bearbeitung der Gliedmaßen. Auch hinten gibt es ausreichend Beinfreiheit. Dabei können im Kofferraum mit einem Volumen von 535 bis zu 1.390 Liter zwei der gerne zitierten Golfbags quer eingelagert werden. All das ist allerdings keine ganz so große Kunst, denn der A7 ist immerhin 4,97 Meter lang – bei einer Breite von 1,91 Meter und einer Höhe von lediglich 1,42 Meter.

Druckknöpfe und Schalter adé
Aufgrund des dreidimensionalen Aufbaus des Armaturenbretts mit drei großen Bildschirmen (einer hinter dem Lenkrad, zwei übereinander in der Mittelkonsole) und der edlen Materialien, die verbaut werden, kommt man sich vor wie in einer rollenden Lounge. Herkömmliche Schalter gibt es kaum noch, die meisten sind im Lenkrad angeordnet. Immerhin gibt es einige Favoritentasten.

Touch-Displays mit Drück-Rückmeldung
Der obere der beiden mittig angeordneten Bildschirme in Black-Panel-Optik ist mit einer Diagonale von 10,1 Zoll etwas größer, der untere mit 8,0 Zoll etwas kleiner. Oben wird das Infotainment gesteuert, unten wird hauptsächlich das Innenraumklima bedient; auch Texteingaben mit dem Finger können vorgenommen werden. Interessant: Wenn man auf einem der Displays mit dem Finger eine Funktion auslöst, gibt es einen Klick, den man fast wie bei einem richtigen Schalter spürt und hört. Dafür ist im Inneren der Touch-Displays ein kleiner Lautsprecher eingebaut sowie ein elektromechanischer Aktuator, der einen Impuls gibt, als hätte man einen Knopf gedrückt. Wir stark der Impuls sein soll, kann man in einem der Menüs sogar einstellen – doch selbst ein Audi-Ingenieur brauchte etwas Zeit, um das im System zu finden.

Alternative: Spracheingabe
Schade: Der bisher bei Audi übliche Dreh-/Drückeinsteller wurde über Bord geworfen. Wer nicht touchen will (was bei schneller Fahrt ohnehin nicht angeraten ist), kann dem System jetzt allerdings sagen, was er will, denn mittlerweile ist ein ziemlich ausgereiftes Sprachdialogsystem vorhanden. Oder der Fahrer steuert die Funktionen über das Lenkrad, das großzügig mit Tasten und Drehrädchen bespickt ist. Wer das System MMI Navigation plus bestellt, bekommt zudem das Virtuelle Cockpit, das die Informationen hinter dem Lenkrad anstelle von klassischen Instrumenten auf dem bereits erwähnten Bildschirm darstellt.

Fotorealistische Navi-Anzeige
Die Daten der MMI-Navigation werden mit LTE-Geschwindigkeit aus dem Auto heraus übertragen und wieder zurück. Die Berechnung der Fahrtroute erfolgt auf Servern des Dienstleisters HERE, wobei Echtzeitdaten über die Verkehrslage einbezogen werden. So manches mal habe ich über die fotorealistischen Landschaftsdarstellungen des 3D-Navigationssystems gestaunt, Zudem gibt es im Auto einen WLAN-Hotspot, so dass Mitreisende mit Ihren Smartphones oder anderen Geräten ins Internet gehen können. Über Audi connect werden verschiedene Car-to-X-Dienste angeboten, etwa Informationen über Verkehrszeichen oder Gefahren.

Mild-Hybride mit 48-Volt-Bordnetz
Die beiden Motoren sind serienmäßig als Mild-Hybride ausgelegt, auf Neudeutsch: MHEV. Ein 48-Volt-Bordnetz, eine Lithium-Ionen-Batterie und ein Riemenstarter-Generator, der beim Bremsen auch rekuperiert, bilden die Basis hierfür. Der A7 Sportback kann in einem weiten Geschwindigkeitsbereich mit deaktiviertem Motor segeln und danach über den Generator – für die Passagiere unmerklich – wieder angeworfen werden. Die Start-Stopp-Funktion wird bereits beim Unterschreiten von 22 km/h aktiviert. Zusammen mit dem Navigationssystem, das vorausschauend arbeitet, lassen sich so laut Audi bis zu 0,7 Liter pro 100 Kilometer Sprit sparen. Interessantes Detail: Der Motor startet beim Wiederanfahren bereits, wenn sich das vorausfahrende Fahrzeug in Bewegung setzt, auch wenn die Bremse noch getreten ist.

Zwei Sechszylinder
Zum Marktstart bietet Audi zunächst zwei Sechszylinder-Motorisierungen an, den Benziner 55 TFSI und den Diesel 50 TDI (ja an die neuen Bezeichnungen bei Audi muss man sich erst mal gewöhnen). Der Benziner wird mit einem Siebengang-DKG kombiniert, der drehmomentstärkere Diesel mit einer Achtgang-Automatik. Weitere Vier-und Sechszylinder-Motoren werden im Laufe des Jahres das Angebot erweitern. Der Benziner ist ein V6-Turbomotor, der 340 PS leistet und ein recht ordentliches Drehmoment von 500 Newtonmeter abgibt. Damit ist der A7 in 5,3 Sekunden von 0 auf 100 km/h, die Spitze liegt bei 250 km/h. Sein Durchschnittsverbrauch ist mit 6,8 Liter pro 100 Kilometer angegeben. Der 3.0 TDI leistet mit 286 PS deutlich weniger, hat aber dafür ein richtig bäriges Drehmoment von 620 Newtonmeter. Er beschleunigt in 5,7 Sekunden von 0 auf 100 km/h, auch hier wird die Spitze bei 250 km/h abgeregelt.

Neu: Allradlenkung
Die wichtigste Neuerung im Fahrwerkssektor (es gibt hier eine ganze Menge) ist wohl die optionale Allrad-Lenkung, bei der eine Hinterachslenkung mit der stets serienmäßigen Progressivlenkung kombiniert ist. Die Progressivlenkung arbeitet mit zunehmendem Lenkeinschlag immer direkter. Dabei ist sie perfekt eingestellt und trägt ihren Teil zu dem Fahrspaß bei, den der A7 Sportback bietet. Die Allrad-Lenkung verbessert das noch einmal: Bis zu einer Geschwindigkeit von 60 km/h schlägt die Hinterachse um fünf Grad ein, so dass sich der Wendekreis um einen Meter auf 11,10 Meter verringert. Ab 60 km/h lenken die Räder an der Hinterachse in die gleiche Richtung wie die vorderen, wodurch zum Beispiel abrupte Ausweichmanöver ruhiger absolviert werden. Die Lenkung arbeitet direkt ohne nervös zu sein – der A7 scheint wie auf Schienen zu fahren. Es ist ein Erlebnis, wie lässig sportliches Fahren von der Hand geht.

Verschiedene Fahrwerke stehen zur Wahl
Beim Serienfahrwerk wurde das Drive-Select-System überarbeitet: Die verschiedenen Fahrmodi sind nun zwischen komfortabler und sportlicher Abstimmung stärker ausgeprägt. Darüber hinaus wird ein Sportfahrwerk offeriert, bei dem die Karosserie 10 Millimeter tiefer liegt. Des weiteren ist ein komfortorientiertes Fahrwerk mit Dämpferregelung im Angebot.

Besonders komfortabel: Das Luftfahrwerk
Doch das ist noch nicht alles: Es gibt noch die besonders komfortable Luftfederung "adaptive air suspension", die ebenfalls eine geregelte Dämpfung bietet. Sie lässt sich in drei Modi einstellen und hat eine "Lift"-Position für schlechte Strecken sowie einen Niveauausgleich. In den Modi "auto" und "comfort" senkt sie ab 120 km/h die Karosserie um 10 Millimeter ab. Und dann gibt es noch ein weiterentwickeltes Sportdifferenzial, das die Antriebsmomente bei schneller Kurvenfahrt je nach Bedarf aktiv zwischen den Hinterrädern verteilt. Komfortmodus passt
Bei meinen Testfahrten mit dem Luftfahrwerk habe ich meist den Komfortmodus gewählt. Der passt sehr gut bei etwas schlechteren Straßen, aber auch zu einer sportlichen Fahrweise. Auf den Sportmodus gestellt, gibt das System schon eine sehr gute Rückmeldung über den jeweiligen Straßenzustand, manchmal auch des Guten zu viel.

Fahrassistenzsysteme satt
Nicht weniger als 39 Fahrassistenzsysteme werden von Audi für den A7 angeboten. Diese sind in drei Paketen zusammengefasst: So gibt es die Assistenzpakete "Parken", "Stadt" (mit neuem Kreuzungsassistent) und "Tour". In der vollen Ausbaustufe werden hierfür fünf Radarsensoren, ein Laserscanner, eine Frontkamera, vier Umgebungskameras und zwölf Ultraschallsensoren verbaut.

Engstellenassistent für Baustellen
Das wichtigste System im Assistenzpaket Tour ist der Adaptive Fahrassistent (AFA). Er baut auf der adaptive cruise control (ACC) des Vorgängermodells auf und erweitert sie um eine Spurführungsfunktion, die auch in Stausituationen arbeitet. Im Geschwindigkeitsbereich von 0 bis 250 km/h hält das System den A7 auf Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug und hilft dem Fahrer durch leichte Lenkeingriffe beim Halten der Spur, dank dem Engstellenassistent auch in Baustellen.

Ab 66.300 Euro
Der Audi A7 fährt rollt seit März 2018 im Werk Neckarsulm vom Band. Als Audi A7 Sportback 55 TFSI quattro S tronic (Kraftstoffverbrauch je nach Reifen 6,8 bis 7,2 Liter) kostet er 67.800 Euro, der 50 TDI quattro tiptronic (Kraftstoffverbrauch 5,5 bis 5,8 Liter) kostet 66.300 Euro.

Erste Wahl: Der Benziner
Vor die Wahl gestellt, würde ich mich für den Benziner entscheiden. Natürlich verbraucht er mehr als die Dieselvariante und hat ein geringeres Drehmoment. Kraft ist dennoch zur Genüge vorhanden. Was verblüfft, ist sein seidiger, ruhiger Lauf. Der Motor ist so gut wie nicht zu hören, lediglich beim starken Hochbeschleunigen vernimmt man ein sportliches Säuseln, und das ist es auch schon.

Allrad-Lenkung und Luftfahrwerk dazu!
Der Dieselmotor dagegen ist – obwohl im Vergleich zu Konkurrenten auch sehr zurückhaltend – doch stets präsent, einschließlich etwas höherer Lautstärke beim Kaltstart. Zudem schaltet das Doppel-Kupplungsgetriebe des Benziners superschnell und fast unmerklich – so gut kann es die Achtgang-Automatik des Diesels nicht. Und die Allrad-Lenkung würde ich unbedingt mitbestellen – die Lenkpräzision des A7 ist damit eine Wucht. Die unterschiedlichen Fahrwerke kann ich leider nicht beurteilen, da zu diesem ersten Test nur die luftgefederte Variante zur Verfügung stand. Erste Sahne ist sie aber allemal.
(ph)

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