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Der Hyundai Tucson mit 177-PS-Turbobenziner im Test SUV oder Suff?

Haar, 7. August 2017
Fußballer kennen das: Heute Gott, morgen Depp. Auch im automobilen Bereich kommt es vor. Jüngstes Beispiel ist der Diesel. Noch vor nicht allzu langer Zeit gefeiert, soll er nun ein schweres Foulspiel begangen haben und erhält die rote Karte gezeigt. (Ob der Schiedsrichter wirklich unparteiisch ist, lassen wir einmal dahingestellt.) Freie Fahrt also für den Benziner? Wir haben den Hyundai Tucson mit 1,6-Liter-Turbobenziner und 177 PS getestet.

Ein Koreaner strebt nach oben
Der Tucson steht dabei exemplarisch für den Erfolg der SUV-Klasse, der ohne Diesel nicht so steil gewesen wäre. Im Jahr 2016 war der Tucson erstmals der meistverkaufte Hyundai in Deutschland (25.559 Exemplare) und löst den i30, einen klassischen Kompakten, ab. Ob es am Design liegt, sei dahingestellt: Der Tiguan-Rivale von Hyundai sieht gefällig aus, nicht mehr, nicht weniger. Überzeugend sind in erster Linie die inneren Qualitäten: So gut wie jeder Beifahrer stellt fest, wie großzügig es in Reihe eins zugeht. Der Grund ist simpel, nämlich die stattliche Breite von 1,85 Meter. In engen Garagen ist deshalb Vorsicht geboten.

Keine Rätsel für den Fahrer
Immerhin ist die Sicht nach vorne gut, dass Cockpit ist nicht unnötig verbaut. Typisch für Hyundai ist die übersichtliche und einfache Bedienung trotz vieler Tasten. Alles ist dort, wo es hingehört, dazu kommen klar ablesbare Instrumente. "NO Nonsense" würde der Engländer sagen, also keine Spielereien mit virtuellen Mäusekinos. Prima auch das ab der Style-Ausstattung serienmäßige Navi, die Eingaben auf dem Acht-Zoll-Touchscreen erklären sich fast von selbst. Kein massiver Mitteltunnel trennt Fahrer und Beifahrer, stattdessen bleibt neben dem großen Ablagefach genug Platz für das Fahrerknie. Noch ein Wort zu den Materialien: Hyundai setzt auf etwas mehr Hartplastik als deutsche Marken, versucht aber alles ansprechend zu arrangieren. Eine Sinnkrise bekommen hier nur extreme Oberflächen-Fetischisten.

Leisetreter mit Automatik
Unter der Haube unseres Hyundai Tucson befindet sich ein Turbo-Benziner mit 1,6 Liter Hubraum und 177 PS. Mit von der Partie ist ein Doppelkupplungsgetriebe mit sieben Gängen. Es kostet 1.900 Euro Aufpreis und ist nur in Verbindung mit Allradantrieb erhältlich. Schade, denn das verteuert den Wagen nochmals um ebenfalls 1.900 Euro. Bemerkenswert ist die Laufruhe des Motors, manchmal denkt man nach dem Abstellen, er wäre bereits aus. Das liegt auch nicht an einer etwaigen Start-Stopp-Automatik, denn so etwas gibt es beim Tucson gar nicht. Das DKG wechselt die Gänge unauffällig, einzig beim Anfahren an der Ampel kommt der Wagen nicht so recht aus der Knete. Mit diesem Problem ist Hyundai nicht alleine, auch andere DKG-Autos leiden darunter.

Weiche Welle
Für Langstrecken auf der Autobahn ist der stärkste Tucson-Benziner prädestiniert, Kurvenhatz auf engen Straßen ist definitiv nicht sein Ding. Die Benennung des Hyundai-SUVs nach einer amerikanischen Stadt (ausgesprochen wird der Name "Tjuson") passt ganz gut. Der Wagen mag gelassenes Dahingleiten, hinzu kommt eine indifferente Lenkung. Also etwas für Komfort-Kunden, wäre da nicht die optionale 19-Zoll-Bereifung. Mit ihr rollt der Tucson je nach Belag hart ab. Zwar ist das auch nicht bandscheibenmordend, aber die meist serienmäßigen 17-Zöller tun es auch.

Mehr, aber nicht zuviel
Was verbraucht der 1.6 Turbo im Hyundai Tucson? 7,5 Liter gibt die Marke offiziell in Kombination mit Allrad und DKG an. Wir kamen mit hohem Langstreckenanteil ohne übertriebene Raserei auf exakt neun Liter. Das ist im Rahmen für gelegentliche Fernreisen, wer dauerhaft auf der Autobahn lebt, sollte den 141-PS-Diesel mit 1,7 Liter Hubraum wählen. Ihn charakterisierte der Kollege vor geraumer Zeit mit den Worten "keine sportliche Offenbarung, aber ausreichend für flotte Überholmanöver auf der Landstraße". Dafür sorgen 340 Newtonmeter, die den 265 Newtonmetern des 1.6 Turbo entgegenstehen. Doch die Diesel-Power steht nur in einem Fenster zwischen 1.750 bis 2.500 Umdrehungen bereit, während der 1.6 Turbo von 1.500 bis 4.500 Umdrehungen serviert.

Teuer und doch preiswert
Und noch einen Haken hat der 1,7er-Diesel: Mit DKG gibt es ihn nur mit Frontantrieb. Wer Automatik und Allrad mit Diesel möchte, muss zur Zweiliter-Maschine mit mindestens 136 PS greifen, 33.440 Euro sind dann fällig. Aufpreis zum 1.6 Turbo 4WD? 1.650 Euro. Da wir gerade beim Thema sind: Ich rate zur Wahl der 2.700 Euro teureren Style-Ausstattung. Fraglos eine Stange Geld, im Gegenzug erhält man aber vieles inklusive. Beispiele? Einparkhilfe vorne und hinten plus Rückfahrkamera, ein Spurhalte-Assistent, einen Verkehrszeichen-Assistenten, das Acht-Zoll-Navi, eine Zweizonen-Klimaautomatik, Sitzheizung vorne und hinten (!) sowie eine Lenkradheizung. Mit DKG liegt der Tucson dann bei 34.490 Euro. Zum Vergleich: Ein VW Tiguan 2.0 TSI mit 180 PS, Allrad, DSG und vergleichbarer Ausstattung kostet rund 4.000 Euro mehr. Es ist also immer eine Frage der Ablösesumme.
(rh)

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