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Koreas erstes Hot Hatch ist ein sehr ernstzunehmender Gegner Hyundai i30 N im ersten Test

Rom, 27. September 2017
Also, machen wir es kurz: Hyundai hat mit dem i30 N ein sehr sehr gutes Hot Hatch gebaut. Pah, wenn das immer so einfach wäre. Würde Ihnen und mir einen Haufen Zeit sparen. Na gut, überredet … ein bisschen tiefer sollten wir vielleicht doch einsteigen in die Analyse. Bereit? Dann wollen wir mal …

Renniger als erwartet
Das Sportlichste, was wir von Hyundai bisher kannten, waren der etwas schief aussehende Veloster Turbo (nicht so wirklich sportlich) und das letzte Hyundai Coupé mit 3,8-Liter-V6 (obszön leichtes Heck, aber eigentlich: nicht so wirklich sportlich). Jetzt haben die Koreaner einen beinahe absurd professionellen Aufwand betrieben, um ihre neue Performance-Submarke "N" auf den Weg zu bringen und der i30 N ist genau das Auto, das der Hersteller für einen seriösen Start gebraucht hat. Ich gebe es zu, auch ich hatte meine Bedenken, ob Hyundai sich wirklich traut, einen eingefleischten, raubeinigen, angriffslustigen Hot-Hatch-Herausforderer auf die Menschheit loszulassen. Aber dieses Auto ist kantiger, renniger, spitzer als ich es erwartet hätte. Und es etabliert "N" als ein überraschend sportliches, ernstzunehmendes Label.

Gibt das generelle Gefühl vor
Auf einem imaginären Radikalitätsbalken würde ich ihn wirklich nur knapp unterhalb eines Honda Civic Type R oder Renault Mégane R.S. anordnen. Ein gutes Stück entfernt vom übergeschliffenen normalen Golf GTI. Aber bevor ich Ihnen zu viel verrate, verrate ich Ihnen erstmal, was den i30 N so besonders macht. Wie erwähnt, ist er der Vorbote einer kompletten Hyundai-Performance-Marke (denken Sie an AMG, M und Co.). Da kommt also noch einiges auf uns zu. Der i30 N aber ist der Typ für den ersten Eindruck. der, der den Weg, das generelle Gefühl vorgibt. Mit anderen Worten: Er ist wichtig. Sehr sogar.

Hautpsächlich für Deutschland
Der mit Abstand bedeutendste Markt für den i30 N ist Deutschland (es folgen mit Respektabstand Großbritannien, Frankreich, Spanien und die Schweiz). Da passt es ganz gut, dass Hyundais Hot-Hatch-Erstling vor allem in Hyundais Rüsselsheimer Forschungs-Hauptquartier und am Nürburgring entwickelt wurde. Bei der Auswahl des Teams hat man auch nicht gerade gekleckert. Die "N"-Ingenieure waren vorher unter anderem bei AMG, Lamborghini oder McLaren. Chef-Dynamiker ist kein geringerer als Albert Biermann, der ehemalige Entwicklungsleiter der M GmbH. Von M zu N quasi. Ein wahrhaft effizienter Job-Wechsel, sogar die alten Visitenkarten kann er ohne großen Aufwand weiterbenutzen …

Zum Start zwei Varianten
Die "N"-Truppe kann sich also sehen lassen. Das Auto aber auch. Vom Standard-i30 ist nicht mehr allzu viel über: Karosse und Chassis wurden sorgfältig überarbeitet und verstärkt, damit die komplett neue McPherson-Vorderachse und die Mehrlenker-Hinterachse auch was haben, womit sie ordentlich arbeiten können. Der Motor ist ein einst ziemlich profaner Zweiliter-Vierzylinder-Bursche aus dem Konzern-Regal, den man per größerem Lader, neuer Ansaugung und einer properen Auspuffanlage massiv auf links gedreht hat. Er bringt es nun auf 250 PS und 353 Newtonmeter (378 Newtonmeter im achtsekündigen Overboost). Oder auf 275 PS, wenn Sie so schlau waren, sich für den i30 N Performance zu entscheiden. Jawohl, vom Start weg gibt es zwei Versionen. Die Basis startet bei 29.700 Euro, dynamischen Extra-Käse kriegen Sie ab 32.200 Euro. Ohne den normalen i30 N gefahren zu haben, empfehle ich Ihnen die Performance-Variante. Warum? Weil Sie Ihnen für Zweifünf Aufpreis einen erklecklichen Batzen Gutes mit in die Tüte packt. Neben den 25-Mehr-PS und einer um 0,3 auf 6,1 Sekunden geschrumpften 0-100-km/h-Zeit, hätten wir da 19- statt 18-Zöller, größere Bremsen, eine (entfernbare) Strebe im Kofferraum, eine Klappen-Abgasanlage sowie eine waschechte mechanische Vorderachssperre anstatt eines Torque-Vectoring-Systems, das mit Bremseingriffen arbeitet.

Erfreulich ehrlich
Klingt gut soweit? Finde ich auch. Das richtig Schöne am Hyundai i30 N ist aber: Er ist ein erfreulich ehrliches, ein von Enthusiasten durchdachtes Fahrzeug geworden. Ein No-Bullshit-Auto, wenn Sie so wollen. Das Lenkrad ist tatsächlich rund, die Handbremse ist tatsächlich mechanisch, schalten müssen Sie tatsächlich (und grundsätzlich) selbst, wenn Sie das ESP ausschalten, ist es tatsächlich aus und Sie kriegen eine bombastisch gute Zwischengas-Funktion, aber wenn Sie der absolute Hacke-Spitze-Prinz sind, dann machen Sie das Ding mit einem einfachen Knopfdruck wieder aus. Ein weiterer Beweis für die Sorgfalt bei der Entwicklung: Es gibt fünf Fahrmodi. Sie sind supersimpel mit zwei schicken blauen Tasten am Lenkrad anwählbar. Das Beste ist aber: Sie können sich Ihren i30 N in einer wahrhaft absurden Feinheit an Ihre Vorlieben anpassen. Insgesamt gibt es 1.944 (ja wirklich) Möglichkeiten, dieses Auto zu verändern. Was Sie mit Motor, Zwischengas, Lenkung, adaptiven Dämpfern, ESP, Diff und Auspuff alles anstellen können, passt also nur schwer in einen herkömmlichen Leasing-Zeitraum. Deshalb einfach freuen, dass Sie jederzeit einen maximal giftigen Motor haben können, ohne dass Ihnen das Fahrwerk alle Knochen bricht.

Sehr straff, aber kompetent gefedert
Wobei, die volle Wahrheit ist das auch nicht. Der i30 N ist nämlich ganz grundsätzlich ein ziemlich harter Hund. Selbst im Normal-Modus wuppt er Ihnen den aktuellen Straßenzustand recht hemmungslos ins Kreuz. Schlimm? Nicht wirklich. Weil er zwar straff, aber verdammt gut gefedert ist. Sehr flach, beisammen, positiv. Selbst wenn Sie fahren, als wären Sie in Lebensgefahr, futtert Ihnen der N auch die schlimmsten Krater (der Fahrtermin war in Rom) seelenruhig vom Teller, versetzt nicht, bleibt sauber. Überhaupt fühlt er sich auffällig präzise, aufgeräumt an, begeht aber nicht den Fehler, dadurch einheitsbreiig fad zu wirken. Er remmidemmit schon sehr ordentlich, wirkt speziell. Nicht so hardcore wie ein Civic Type R, nicht so flamboyant wie ein Mégane R.S. oder vogelwild wie ein Focus RS (dafür ähnlich hart aber besser gefedert), gleichzeitig aber echter, kumpeliger als ein Leon Cupra, ein 308 GTi oder die schnellen Gölfe (GTI Clubsport ausgenommen).

Auf der Rennstrecke ein Viech
Und falls Sie mit einem Hyundai schon immer mal zügig im Kreis fahren wollten, geht auch das erfreulich gut: Jap, auf der Rennstrecke ist der i30 N ein richtiges Viech. Die Bremse kommt ohne zig Kolben und riesige Festsättel aus, aber der Druckpunkt ist eine Schau und beängstigend standhaft ist das Biest ebenfalls. Lenkung? Klar, der N ist kein Lotus, aber was da vor Ihren Füßen so zwischen den Pirellis und dem Teer gefummelt wird, kriegen Sie schon besser vermittelt als bei diversen Konkurrenten. Die Vorderachse ist ein recht spitzer, williger Geselle, auch wenn das Sperrdiff spürbar gesitteter und subtiler zu Werke geht als im Civic Type R oder Mégane R.S.. Das Vertrauen ist dennoch voll da und wie der i30 N trotz ordentlich Lenkeinschlag mit herrlich viel Vortrieb aus der Kurve surft, das fühlt sich schon nach großem Sport an. Überhaupt die Balance: Der N wirft sich luftig, spielerisch in die Ecken, beackert alle vier Räder (nicht nur die vorderen), bleibt zwar auf der neutralen Seite, gibt Ihnen aber immer das angenehme Gefühl, als würde erst das Heck kommen. Eine Nordschleifenzeit werden Sie trotz eindrucksvoller Track-Tauglichkeit übrigens nicht erfahren. Laut Hyundai soll das Auto in erster Linie Spaß machen und nicht das letzte Zehntel jagen. Mission erfüllt, Freunde.

Dieses Auto fühlt sich sehr sehr richtig an
Denn genau das zeichnet den i30 N aus. Er bietet simplen, herrlich ehrlichen, punktgenauen Fahrspaß. Der Motor zieht dir nicht die letzten Falten aus dem Gesicht, aber er spricht fantastisch an und dreht überraschend explosiv aus. Außerdem klingt er gut. Klar, nach Vierzylinder, aber nach einem wepsigen. Ein bisschen wie ein Rallyeauto mit Oropax im Mittelschalldämpfer. Und mit ordentlich Gespratze und Geploppe, wenn Sie im N-Modus über 4.000 Touren lupfen. Ist doch eigentlich gar nicht so schwer, oder? Getriebe? Dito. Die sechs Gänge klacken nur minimal unter Civic-Type-R-Niveau, was im Umkehrschluss bedeutet: Sie klacken absolut großartig. Alle Kontrollen, die Pedale, alles, was Sie halt zum Fahren so brauchen, fühlen sich schlicht und einfach sehr sehr richtig an. Der i30 N mag noch ein bisschen zahm aussehen (stellen Sie sich das Auto mal nicht in Performance-Blau, sondern in weiß oder grau vor und Sie werden verstehen, was ich meine), aber er fährt, als würde Hyundai schon seit Generationen hoch kompetitive Hot Hatches bauen. Für ein Debüt ist das schon ein richtiges Pfund. Und die Koreaner meinen es verdammt ernst, legen ab Januar 2018 ein Track-Pack mit Recaro-Schalen, 9,5-Kilo-OZ-Felgen und einstellbaren Stabis nach. Ein überraschend positiver Start, der in der Masse hervorragender Kompaktsportler hoffentlich die richtige Würdigung erfährt. Dieser aufregende und sehr vernünftig eingepreiste Kompaktsport-Allrounder hätte es allemal verdient.
(sw)

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