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Pick-up-Alternative? Der neue Renault Alaskan im Test X auf Französisch

Bohinj (Slowenien), 25. September 2017
Es gibt Autos, die kann man sich in der Stadt nur schwer vorstellen. Etwa Pick-ups der 1-Tonner-Klasse rund um Ford Ranger, Toyota Hilux und VW Amarok. Die Einordnung bezieht sich auf die Nutzlast von einer Tonne. Ideal also für Arbeiten in Forst- oder Landwirtschaft. Auch bis zu 3,5 Tonnen Anhängelast werden beispielsweise bei Pferdebesitzern gerne gesehen. Besonders in Lateinamerika ist diese Sorte Pick-ups beliebt, aber auch hierzulande steigt die Nachfrage, wenngleich auf überschaubarem Niveau. Für Renault dennoch Grund genug, den Alaskan ab November 2017 auch in Deutschland auf den Markt zu bringen. Eine Premiere: Noch nie gab es einen Pick-up der französischen Marke. Ob er Sinn macht, klärt unser Test.

Eigenständig und doch gleich
An der Frontpartie zitiert der Alaskan gewisse Modelle der Pkw-Palette von Renault. Doch spätestens im Cockpit merkt man die Grundlage: Abgesehen vom Lenkrad ist hier alles Nissan. Kein Wunder, liefert der NP300 Navara doch die Basis für den Alaskan. Dabei hilft ein Blick in die technischen Unterlagen: 3,15 Meter Radstand sind das gemeinsame Maß des Alaskan, des Navara und auch der Mercedes X-Klasse (bekanntlich kooperiert Mercedes auch in diesem Segment mit Nissan). Bei der Länge von 5,40 Meter übertrumpft der Renault seinen Nissan-Bruder um sieben Zentimeter, liegt aber auf klassenüblichem Niveau.

Vier gewinnt
Angeboten wird der Renault Alaskan nur mit einer Doppelkabine, die dahinter befindliche Ladefläche ist 1,58 Meter lang und 1,56 Meter breit. Zuladung? Bis zu 960 Kilogramm. Anhängelast? 3,5 Tonnen. Wer öfters in Wald und Flur unterwegs ist, wird eher andere Zahlen bevorzugen: Der Böschungswinkel beträgt vorne 29 Grad, hinten sind es 25 Grad. Hinsichtlich der Wattiefe gibt Renault 45 Zentimeter an. Serienmäßig verfügt der Alaskan über einen zuschaltbaren Allradantrieb. Im Normalbetrieb auf Asphalt werden nur die Hinterräder angetrieben. Bis Tempo 100 lässt sich die Vorderachse per Klauenkupplung zuschalten. Nur im Stand ist zusätzlich ein Untersetzungsgetriebe aktivierbar, mit dessen Hilfe mehr Drehmoment an den Rädern zur Verfügung steht.

Maximal am besten
Auch bei den Motoren hat Renault ins Konzernregal gegriffen: Die 2,3-Liter-Dieselaggregate mit 160 respektive 190 PS werden Navara-Eigentümern bekannt vorkommen. Sie sind keine schlechte Wahl, wie unsere Testrunde mit 190 PS und Siebengang-Automatik zeigt. Beides passt gut zusammen, erstaunlich ist die Laufruhe bei Tempo 140. Auch an Kraft mangelt es nicht, 450 Newtonmeter bei 1.500 Touren sind ein Wort. Der Knackpunkt ist nur, dass diese Eckpunkte auf 2,1 Tonnen Leergewicht treffen. Infolgedessen wirkt der Motor bei zügiger Leistungsabfrage angestrengter, als er eigentlich ist. Eine Frage der Zylinderzahl? Vielleicht. Ford, VW und ab 2018 auch Mercedes setzen an der Spitze ihrer Eintonner-Pickups auf Fünf- respektive Sechszylinder.

Hart, aber herzlich?
Eine negative Überraschung ist der Federungskomfort an der Hinterachse. Angesichts des ruppigen Durchreichens von Fahrbahnunebenheiten hätten wir spontan auf eine Starrachse getippt. Aber Pustekuchen! Renault preist stolz seine Mehrlenkeraufhängung samt Schraubenfedern. Gewiss, mit voller Beladung kann die Sache anders aussehen, aber von solch einer modernen Lösung darf man mehr erwarten.

Preiskampf im Konzern
Dank des Nissan Navara gibt es den Renault Alaskan überhaupt erst, doch genau diese Blutsverwandtschaft ist die größte Hypothek für den Alaskan. Seine Preise reichen von 36.900 Euro bis zu 46.800 Euro für den 190-PS-Diesel mit Automatik in der Topausstattung "Intens". Inklusive sind hier unter anderem Voll-LED-Scheinwerfer, diverses Chrom-Lametta samt 18-Zoll-Alus, aber auch die praktische 360-Grad-Kamera. Sie hilft mit ihrer Vogelperspektive in engen Ortsdurchfahrten ungemein. Nur bietet all das auch der Navara mit gleicher Motor-Getriebe-Kombination rund 3.000 Euro billiger, nämlich für 43.655 Euro. Kleiner Trost: Ein 204 PS starker VW Amarok V6 TDI samt Achtstufen-Automatik liegt bei fast 49.000 Euro.
(rh)

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