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Octavia Scout 2017 im Test Lohnt sich der geliftete Gelände-Octavia wirklich?

Wien, 20. April 2017
Sie fanden den Skoda Octavia schon immer total toll, haben aber keine Ahnung, was ein "Scout" ist? Nun, wenn Sie am Ende eines Waldwegs wohnen oder an irgendeinem Ort mit viel Schlamm, Schnee, Geröll oder furchtbar hohen Randsteinen, dann wollen Sie wahrscheinlich den Scout. Denken Sie einfach an Audis A4/A6 Allroad, an den Passat/Golf Alltrack oder an die neue Mercedes E-Klasse AllTerrain. Kombis mit mehr Fahrhöhe, mehr angetriebenen Rädern und mehr Plastik an der Karosserie. Im Falle des Octavia Scout sind das 30 Millimeter mehr Bodenfreiheit, ein "Unterfahrschutz" im robusten Alu-Look (in Wirklichkeit ist es Plastik), ein Offroad-Modus mit Bergabfahrhilfe, ein serienmäßiger Allradantrieb und viel Kunststoff um die Radhäuser. Gäbe es Bärte und Flanellhemden für Kompakt-Kombis, der Scout würde sie beide tragen. Ach ja, wie alle Octavias hat auch er nun ein Facelift bekommen. Wir sind schon gefahren und sagen Ihnen, ob es gut ist.

Neue Infotainment- und Assistenzsysteme
Dabei sollten wir vielleicht gleich am Anfang betonen, dass die Umfänge der Modellpflege sich doch eher im Rahmen halten. Wie alle Octavias glotzt auch der Scout nun aus vier kleinen statt zwei großen Augen. Ob Sie das mögen, entscheiden Sie bitte selbst. Innen gibt es neue Sitze mit Thermoflux-Technologie. Das klingt sehr aufregend. Ob man damit besonders wind- und kältegeschützt durch die Zeit reisen kann, vermochten wir leider nicht herauszufinden. Das Gestühl mit Scout-Logo ist allerdings sehr bequem. Von dort aus blickt man auch im Scout auf das neue 9,2-Zoll-Infotainmentsystem mit allem Pipapo (gut) und kaum noch Knöpfen (nicht gut). Das Berühren, Wischen und Zoomen klappt hier zwar besser als bei vielen Konkurrenten, aber wie schön so ein guter alter Bedien-Drehknopf ist, merkt man erst, wenn man ihn nicht mehr kriegt. Außerdem neu: Einige Assistenzsysteme (Parkassistent mit Rückfahrkamera, adaptiver Tempomat bis 210 km/h), von denen für naturburschige Scout-Kunden vor allem der neue Trailer-Assist von Belang sein dürfte. Mit ihm erleichtert sich das Rangieren von Anhängern spürbar.

Offroad besser als man meint
Ob und wieviel Sie mit Ihrem Scout tatsächlich offroad fahren, wissen wir natürlich nicht. Sie können aber, wenn Sie wollen. Skoda brüstet sich mit vier angetriebenen Rädern, drei Zentimeter mehr Bodenfreiheit (im Vergleich zum normalen Octavia Combi) und einem vergrößerten hinteren Böschungswinkel von 14,5 Grad. Skoda schickte uns auf einen Offroad-Parcours, bei dem diverse Crossover sicher Probleme bekommen hätten, aber der Scout frühstückte die Hindernisse seelenruhig ab. Traktionsprobleme? Fehlanzeige. Obwohl es sich hier – wie beim VW-Konzern-Produkten üblich – um ein Haldex-Allradsystem handelt. Sprich: Auch der Scout fährt im Normalfall als Fronttriebler durch die Weltgeschichte und schaltet die hinteren Räder erst zu, wenn ihm vorne der Grip ausgeht. Das macht er allerdings beeindruckend gut. Wenn Sie also kein Geländeprofi sind, sondern nur hin und wieder mal von asphaltierten Straßen genug haben, dann ist der Octavia Scout vermutlich offroad-tauglicher, als Sie es jemals benötigen werden.

Auch auf der Straße gut
Das Schöne an diesem Auto ist: Zur (für alle Normalos) völlig befriedigenden Kletterfähigkeit gesellen sich sehr angenehme Straßenmanieren, die im Prinzip keinerlei Einbußen bei der Fahrdynamik mit sich bringen. Und mit Fahrdynamik meinen wir in diesem Fall nicht, auf der eigenen Hausroute wie ein Irrer nach Bestzeiten zu forschen, sondern das Ganze einfach komfortabel, sicher und doch mehr als ausreichend fix rollen zu lassen. Natürlich verfügt auch der Octavia Scout über einen unsäglichen Sport-Modus, aber den lässt man am besten in seinem Untermenü versauern. Keine Sorge, er fährt schon in Kurven, ziemlich gut sogar. Mit ein bisschen Karosseriebewegung zwar, aber hier wankt und schaukelt nichts. Auch die Lenkung ist klar. Nicht übermäßig agil oder kommunikativ, aber immer klar. Das ist ein nicht unerheblicher Vorteil gegenüber diversen SUVs. Und dennoch ist er gerne der Gleiter, fährt mit den etwas dickeren Reifen und dem kleinen Plus an Bodenfreiheit sehr entspannt und gut gefedert.

150-PS-TDI reicht völlig
Motoren? Es gibt einen 180-PS-Benziner sowie zwei TDIs mit 150 und 184 PS. Alle sind mit einem DSG verknüpft, nur der kleine Diesel kommt serienmäßig mit Sechsgang-Schaltung. Der 184-PS-Selbstzünder beschleunigt auf Octavia-RS-Diesel-Niveau (0-100 km/h in 7,8 Sekunden), wirkt insgesamt aber gelassener. Wir fuhren die längste Zeit mit dem 150-PS-TDI samt Siebengang-DSG (die beiden anderen Scouts haben ein Sechsgang-DSG) und können mit Fug und Recht behaupten, dass es mehr Motor wahrlich nicht braucht. Die Zweiliter-Maschine ist inzwischen eine mehr als bekannte Größe. Kräftig genug, vom Geräuschpegel und dem allgemeinen Benehmen her absolut zufriedenstellend und im Schnitt ziemlich locker mit sechs bis sechseinhalb Liter zu bewegen.

Sicher nicht die schlechteste Wahl, sein Geld loszuwerden
Bleibt die Frage, ob es den Scout am Ende wirklich braucht? Finanziell liegt er mit einem Einstiegspreis von 31.100 Euro für den 150-PS-Diesel mit Schaltgetriebe lediglich ein paar Hunderter unterhalb des Octavia RS mit 230-PS-Benziner. Ein VW Golf Alltrack mit gleicher Motorisierung ist jedoch über 2.000 Euro teurer. Die günstigste Art, einen vergleichbar angetriebenen, normalen Octavia Combi zu fahren, liegt bei 29.290 Euro. Für etwas mehr Offroad-Tauglichkeit und eine markantere, robustere Optik ist der Scout-Aufschlag also nicht unbedingt ein Pappenstiel. Auf der anderen Seite dürften sich die meisten kleinen SUVs und Crossover im Gelände nicht wirklich besser schlagen. Wenn Sie also ein bisschen Stock-und-Stein-Tauglichkeit wollen, auf die Optik und das stelzigere Fahverhalten eines SUVs aber gerne verzichten, dann ist der Octavia Scout sicher nicht die schlechteste Wahl, Ihr Geld loszuwerden. Marktstart ist im Juni 2017.
(sw)

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