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Ist der exotischste und teuerste Smart auch der beste Smart? Smart Fortwo Cabrio ed im Test

Genf, 27. Juni 2017
Vergessen Sie Performance-SUV-Coupés und Porsche Panamera Kombis, denn hier kommt die Mutter aller Nischen – das vollelektrische City-Cabrio. Ich bin mir sicher, die trendigen Marketing-Profis bei Smart hätten dafür eine deutlich "edgiere Catchphrase", aber für den Augenblick müssen Sie mit meiner biederen Beschreibung leben. Was gemeint ist, dürfte ohnehin klar sein: Den Smart electric drive gibt es jetzt auch ohne Dach.

Ein sehr teures Vergnügen
Was das bringt? Rein datentechnisch nicht allzu viel Gutes. Das Smart ed Cabrio ist ein bisschen schwerer als sein geschlossenes Brüderlein, hat daher fünf Kilometer weniger Reichweite (sicher DAS Killerkriterium gegen den luftigen E-Zwerg) und kostet ein Vermögen. Mindestens 25.200 Euro, um genau zu sein. Ziehen Sie den Umweltbonus ab (der laut Produktmanager Rouven Remp bei Smart alles andere als ein peinlicher Polit-Rohrkrepierer ist und die Verkäufe tatsächlich erheblich gepusht hat) und Sie landen bei zumindest etwas freundlicher dreinblickenden 20.820 Euro. Das sind stolze 3.260 Euro mehr, als man für das Smart fortwo electric drive Coupé hinblättern muss. Dafür kriegt man die üblichen drei Dächer in einem. Je nachdem, wie viel Luft Sie an sich und ihr pygmäenhaftes Interieur heranlassen wollen, erhalten Sie ein Falt-Schiebedach, eine Art Targa-Dach oder (nach Entfernung der Dachholme) das volle, CO2-durchtränkte Freiheitsgefühl von Wind im Haar und Sonnenbrand auf der Nase. Am entspanntesten ist es aber wohl, die Holme dranzulassen und das Dach elektrisch komplett nach hinten zu falten. Weniger turbulent als die Schiebedach-Option ist es obendrein.

Sogar in Genf launig
Jetzt würde man bei einem 500-PS-V8-Supercar freilich noch ergänzen, dass der Sound ohne Dach gleich noch viel imposanter an die eigenen Lauscher dringt. Beim Smart Cabrio ed heißt es dann wohl: "Erleben sie das Nichts jetzt noch intensiver!" Aber ganz im Ernst: Wie sich der kleine E-Racker lautlos, luftig und verblüffend schnell durch die Stadt wuselt, das ist schon ziemlich großartig. Smart lud zur Vorstellung nach Genf und jeder der schon mal in Genf Auto fahren musste, wird es so schnell nicht wieder tun wollen. Mit einem offenen, elektrischen Smart unterm Hintern verliert der verkehrsplanerische Vorhof zur Hölle jedoch auf Anhieb vieles von seinem Schrecken. Die Kombi aus ansatzlosem und unerwartet kräftigem Vortrieb, Zwergspitz-artiger Wendigkeit (es bleibt auch hier bei 6,95 Meter Wendekreis) und unfiltrierter UV-Strahlung macht aus nervigem Verkehrschaos schnell einen persönlichen Hindernisparcours mit Teint-Garantie.

So macht Smart richtig Spaß
Erfreulicherweise fühlt sich das ed-Cabrio aber nicht nur bis 60 km/h an wie ein Flummi. Auch bis Landstraßentempo und darüber hinaus gibt es mehr als anständigen Vortrieb. Die 11,8 Sekunden von 0-100 km/h wirken vom Druck her eher wie irgendwas unter zehn. Und dass dieser Smart nur einen Gang hat, schadet auch nicht wirklich. Ein Smart, der nicht schalten muss, ist grundsätzlich ein guter Smart. Da haben die neuen Schalt- und Doppelkupplungsgetriebe in der dritten Generation nicht wirklich was geändert. So ertappt man sich ständig dabei, wie man das Gas an jeder Ampel und an jedem Kreisverkehr voll in den kleinen Boden haut und das geniale Beschleunigungs-Gummiband mitnimmt. Und seien wir ehrlich: Bis 60 km/h dürften die meisten innerstädtischen "Gegner" nicht den Hauch einer Chance haben. Weil sich die Batterien unter dem Boden zwischen den Achsen befinden, liegt der ed auch irgendwie besser als die restliche Smart-Gang. Sein Abrollverhalten erfordert nach wie vor einiges an Nehmerqualitäten, aber auch wenn Sie mal etwas schneller in die Kurve stechen, macht der E-Smart überraschend viel Freude. Ich sage es frei heraus: Das hier ist der Smart, wie er von Anfang an hätte sein müssen. Elektrisch, extrem flott und ordentlich spaßig.

Knapp 100 Kilometer Bleifuß
Der Nachteil an dieser eher unerwachsenen E-Fahrweise: Die 155 Kilometer Reichweite, die Smart für das Fortwo Cabrio electric drive angibt, können Sie so natürlich komplett in der Pfeife rauchen. Wir starteten mit voller Ladung auf unseren knapp 60 Kilometer langen Trip um Genf, ließen es ordentlich fliegen (inklusive 140 km/h auf der Autobahn; eigentlich soll aus Reichweitengründen bei 130 Sachen Schluß sein) und erreichten das Ziel mit gut 40 Kilometer im "Tank". Zur Ehrenrettung des dachlosen Stromgnoms sei erwähnt, dass es am Testtag etwa 35 Grad hatte und die Klimaanlage auf Hochtouren lief.

Neuer Schnelllader ab Anfang 2018
Auf der anderen Seite: Wem 100 eher sportlich gefahrene Kilometer am Tag nicht reichen, der sollte ernsthaft überlegen, ob der Smart wirklich das richtige Auto für ihn ist. Das ed-Cabrio auf 80 Prozent hochzuladen, dauert an der heimischen Wallbox übrigens dreieinhalb Stunden. An einer normalen Haushaltssteckdose sind es derer sechs. Anfang 2018 erscheint jedoch ein neuer 22-kW-Schnellader, der die Zeit auf unter 45 Minuten verkürzen soll. Wie bei den beiden anderen E-Smarts (Fortwo Coupé und Forfour) kriegen Sie auch beim Cabrio eine Smartphone-App, die unter anderem den Ladezustand anzeigt und das Auto per Knopfdruck vorklimatisiert.

Die beste Art, Smart zu fahren
Letztlich ist die elektrische Variante sicher auch beim Cabrio die mit Abstand beste Art, Smart zu fahren. Wer ein bisschen rechnet und nicht unbedingt einen massiven Stoffdach-Fetisch hat, ist mit dem geschlossenen und deutlich günstigeren Fortwo ed aber wohl besser dran. Falls Sie auch mal vier Sitze brauchen und irgendwas transportieren müssen, das größer ist als zwei Einkaufstüten: Ab 22.600 Euro (abzüglich E-Prämie) kriegen Sie den Smart electric drive auch als Forfour. Marktstart für das Fortwo Cabrio electric drive ist Ende Juli 2017.
(sw)

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