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VW Golf Sportsvan mit 1.5 TSI im Test Viel Platz im Fond – und etwas Langweile auf dem Fahrerplatz

Barcelona (Spanien), 28. November 2017
Wer kauft heute noch einen Kompaktvan? Familien und Rentner? Oder Individualisten, denen der Trend zum SUV auf den Nerv geht? Leute, die viel transportieren und hoch sitzen wollen, aber ohne das ganze Offroad-Klimbim, das eigentlich ja doch nur eine Verkleidung ist? Vielleicht eine Mischung aus alldem. Eine Option für solcherlei Ansprüche ist der VW Golf Sportsvan, der nun ein Facelift erhielt. Wir haben den Wagen getestet.

Ohne "Freilauf / Motor aus"
Bei den Motoren ersetzt nun der 1.0 TSI mit drei Zylindern den 1.2 TSI mit vier Töpfen, der 1.5 TSI beerbt den 1.4 TSI. Die Dieselseite bleibt zum Marktstart (Ende des Jahres 2017) erstmal leer, im Frühjahr 2018 werden der 1.6 TDI mit 115 PS und der 2.0 TDI mit 150 PS nachgeschoben – altbekannte Motoren, nun aber mit SCR-Abgasreinigung. Für die Testfahrt wähle ich die 130-PS-Version des 1.5 TSI in der Kombination mit DSG. Denn diese müsste wie beim VW Golf und Golf Variant die neue Funktion "Freilauf / Motor aus (FMA)" bieten, dachte ich – der Verbrenner wird beim langsamen Gaswegnehmen zum Segeln stillgelegt. Doch im Golf Sportsvan wird eine abgespeckte Version ohne FMA eingesetzt. Schade.

Ausreichend: 200 Newtonmeter
Der Motor besitzt die vom alten 1.4 TSI ACT bekannte Zylinderabschaltung. Wie gehabt, bleibt der Zweizylindermodus aber nur bei extrem vorsichtigem Gasfuß aktiv. Nicht zu spüren ist, dass das Aggregat nach dem Miller-Brennverfahren arbeitet. Und dass der Turbo einen Verdichter mit variablem Durchmesser (VTG) besitzt, fällt ebenfalls nicht auf. Das Drehmoment von 200 Newtonmeter steht vom 1.400 bis 4.000 Touren an – diese Werte haben sich gegenüber dem alten 1.4 TSI mit 125 PS nicht verändert. Das Beschleunigungsgefühl ist okay, aber vom Sockel reißt es einen nicht. Das gleiche gilt eigentlich auch für den Rest des Autos: Lenkung und Fahrwerk geben keinen Anlass zu Kritik, die Sitze bieten akzeptablen Seitenhalt. Das Cockpit ist typisch VW, nur das schicke Active Info Display vermisse ich – das Instrumentendisplay wird für den Sportvan nicht angeboten, hier muss die konventionelle Zeiger-Ziffern-Kombination reichen.

Die Hauptstärke: Viel Beinfreiheit im Fond
An einem Punkt jedoch brilliert der Golf Sportsvan, und das ist das Raumangebot: Im Fond ist extrem viel Platz. Die Sitzbank lässt sich (nach wie vor) um 18 Zentimeter längs verschieben. Wenn ich sie ganz nach hinten rücke, kann ich hinten die Beine übereinanderschlagen – das geht nur in wenigen Autos. Der Grund für diesen Luxus ist der lange Radstand von 2,67 Meter. Das sind fünf Zentimeter mehr als beim normalen Golf und beim Golf Variant. Bei der Länge (4,35 Meter) und beim Kofferraumvolumen (590 bis 1.520 Liter) liegt der Sportvan zwischen diesen Modellen. Die Rücksitzlehnen lassen sich zweifach geteilt umklappen. So können hinten links und rechts Passagiere Platz nehmen und dazwischen lassen sich noch ein paar Ski "durchladen". Optional lässt auch noch die Lehne des Beifahrersitzes umklappen.

Ab 26.225 Euro
Den Golf Sportsvan 1.5 TSI mit 130 PS gibt es ab 26.225 Euro. Dafür erhält man die Version mit Sechsgang-Handschaltung in der Ausstattung Comfortline. Diese erfüllt die dringlichsten Wünsche, zum Beispiel Parkpiepser, eine Klimaanlage und das Radio Composition Colour mit 6,5-Zoll-Touchscreen. Das Doppelkupplungsgetriebe kostet (ziemlich happige) 2.025 Euro Aufpreis. Als weitere Technik-Extras werden LED-Scheinwerfer, eine Verkehrszeichenerkennung, ein Abstandstempomat und Totwinkel- sowie Spurhalteassistent angeboten. Auch ein DCC-Fahrwerk mit adaptiven Dämpfern ist erhältlich, aber keine elektrisch bedienbare Heckklappe.

Alternativen von Ford bis BMW
Als Alternativen zum Golf Sportsvan mit dem 130-PS-TSI kommen in Frage: der Ford C-Max mit 125-PS-Turbobenziner (ab 22.450 Euro), der Citroën C4 Picasso Puretech 130 (ab 22.690 Euro) und der Renault Scénic TCe 130 (ab 25.490 Euro). Teurer sind die Premiumfahrzeuge von Mercedes (B 180, ab 27.858 Euro) und BMW (218i Active Tourer, ab 28.900 Euro).
(sl)

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