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Praktischer Sportkombi mit viel Druck und Allrad-Traktion Neuer Sechs-Agil: VW Passat Variant 3.2 FSI 4Motion im Test

St. Englmar, 8. Februar 2006 – Ein Passat mit Achtzylinder-Motor? Nein, das war keine durchgeknallte Idee ambitionierter Schrauber, sondern das reguläre Top-Modell W8, gebaut von VW zwischen 2002 und 2005. Satte 275 PS und viel Edel-Ausstattung inklusive Allradantrieb machten diesen Volkswagen zum Grenzgänger zwischen Mittel- und Oberklasse.

Neuer Sechs-Agil
Doch der athletische Höhenflug des Passat wurde mit der Anfang 2005 gestarteten Generation beendet. Das neue Maß der Dinge sind immer noch stattliche sechs Zylinder. Während der Passat in den USA mit 280 PS starkem 3,6-Liter-V6 angeboten wird, bekommt das deutsche Klientel jetzt einen 3,2-Liter-V6 mit 250 PS. Diese Hochleistungsvariante protzt nicht nur mit viel PS, sondern außerdem noch serienmäßig mit dem Allrad-Antrieb 4Motion sowie dem Doppelkupplungs-Getriebe DSG. Eine Kombination, die für sportliche Fahrfreuden auf hohem Niveau sorgt. Davon konnten wir uns auf einer Testfahrt mit der Kombiversion Variant überzeugen.

4Motion: So funktioniert's
Zentrales Element des 4Motion-Antrieb ist die so genannte Haldex-Kupplung. Sie sorgt für eine variable Verteilung der Antriebskraft auf beide Achsen. Die elektronisch geregelte Lamellenkupplung liefert bei normaler Geradeausfahrt lediglich zehn Prozent des Drehmoments an die Hinterachse. Ein Steuergerät verarbeitet permanent Informationen von ABS, ESP sowie der Gaspedalstellung und der Motordrehzahl. Sollte die Analyse ergeben, dass eine Umverteilung der Kraft für besseren Vortrieb sorgt, schickt der Rechner rasend schnell entsprechende Befehle an die Haldex-Kupplung. Stufenlos und für die Insassen nicht spürbar wird die Kraftverteilung zwischen den Achsen variiert. Vor allem bergauf, auf Schnee oder mit Anhänger spielt dieses System seine Vorteile aus. Während es den 3.2 FSI ausschließlich mit Allradantrieb gibt, kann der Passat-Kunde für 1.725 Euro Aufpreis dieses System außerdem für die Motorisierungen 2.0 FSI und 2.0 TDI odern.

Allradtechnik nimmt Gepäckraum
Von außen gibt sich der 3.2 FSI kaum als Allradler zu erkennen. Nur am Heck deuten der 4Motion-Schriftzug und die beiden großen Auspuffendrohre auf seine besonderen Fahrkünste hin. Ebenfalls nicht auf den ersten Blick erkennbar ist das geschrumpfte Kofferraum-Volumen: Der Allradtechnik mussten 15 Liter Laderaumvolumen weichen. Somit bleibt immerhin noch Platz für stattliche 588 Liter Gepäck. Außerdem lässt sich die Rückbank mit wenigen Handgriffen umlegen und der Kofferraum so auf 1.641 Liter erweitern. Das maximale Gepäckvolumen des Passat Variant ist damit fast so gut wie das des Audi A6 Avant.

Pelz nach innen
Der Wolfsburger geizt ebenso wenig bei Knie- und Kopffreiheit auf den Plätzen vorne wie hinten. Die Vordersitze sind zudem bequem und bieten dem Oberkörper ordentlich Seitenhalt. Angesichts der möglichen Querbeschleunigung ein wirklich wichtiges Detail. Die wertigen Materialien und die saubere Verarbeitung sorgen bereits in der Einstiegsversion Comfortline für angenehmes Ambiente. Bereits die Innenverkleidung der vorderen Türen ist ein guter Beleg für das hohe Verarbeitungsniveau: Allein hier bietet der Passat einen attraktiven Mix aus vielen verschiedenen Oberflächen und Materialien. Der weiteren Individualisierung des Interieurs sind von VW kaum Grenzen gesetzt, lediglich dem individuellen Geldbeutel des Käufers. Gegen Aufpreis gibt es Echtholzfurniere für die Instrumententafel und die Mittelkonsole. Wer möchte, kann seinen Passat zur edlen Hightech-Lounge aufrüsten.

Sportliche Fahrleistungen
Bereits serienmäßig auf Top-Niveau befindet sich der Antrieb. Der 250 PS starke Benzindirekteinspritzer macht sich durch einen recht kernigen, bisweilen jedoch etwas rauen Klang deutlich bemerkbar. Den Brutalo-Tritt aufs Gaspedal quittiert der Passat – obwohl sich die 320 Newtonmeter jetzt voll entfalten – mit sauberem Vortrieb. Ein Durchdrehen der Räder bleibt aus, kein tänzelndes Hinterteil oder eine nervös flatternde Lenkung stören. Die Fahrleistungen sind angesichts der 1,7 Tonnen gut: Der 100-km/h-Sprint dauert 7,2 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 243 km/h. Faszinierend ist das Durchzugsvermögen auf der Autobahn. Flugs eilt die Tachonadel bis auf 200 km/h. Bis 220 geht es noch recht zügig voran, erst danach ist der Geschwindigkeitszuwachs verhalten. Bei 243 km/h ist endgültig Schluss. Selbst bei Höchstgeschwindigkeit hat man noch ein sehr sicheres und souveränes Fahrgefühl. Hinzu kommen die kraftvoll zupackenden und fein dosierbaren Bremsen.

Schnell und sicher ums Eck
Den Lenkbefehlen des Fahrers folgt der Allrad-Athlet auch in schnellen Kurven sehr präzise und richtungsstabil. Lediglich die sportlich verhärtende Lenkung geht manchmal etwas schwergängig. Das Faszinierende aber ist, dass man aus engen Biegungen trotz der üppigen Motorleistung ohne Reue mit Vollgas rausbeschleunigen kann. Jetzt die Gerade durcheilen, vor der nächsten Biegung kurz und knackig einbremsen und wieder mit Gas raus aus der Kurve. Das funktioniert so rund, so selbstverständlich, so sicher, dass den Fahrer leicht ein Gefühl der Unschlagbarkeit überkommen kann. Keine Frage: Mit dem 4WD-Variant darf man es im Kurvenkarussell richtig krachen lassen. Doch handelt es sich eben nicht um einen übertrieben harten Sportwagen. Statt dessen bietet der neue Top-Passat ein erstaunlich hohes Komfortniveau. Trotz satter Straßenlage nervt das Fahrwerk nie mit unangenehm harten Stößen.

Blitzschnell und komfortabel
Das serienmäßige Doppelkupplungsgetriebe DSG fördert das rundum sportliche Fahrgefühl des Power-Passat zusätzlich. Obwohl selbsttätig schaltend, verhält es sich keineswegs wie eine lusthemmende Automatik. Im Vergleich zu einem Schaltgetriebe bietet das DSG sogar bessere Fahrleistungen und einen niedrigeren Verbrauch. Trotz Doppelkupplung und Benzindirekteinspritzung ist der Passat 3.2 FSI dennoch kein Sparmobil. Die hohe Leistung und der Allradantrieb fordern ihren Tribut. Den durchschnittlichen Spritkonsum gibt VW mit glatt zehn Litern auf 100 Kilometer an. Auf unserem rund 400 Kilometer langem Loop zeigte der Bordcomputer am Ende der Testfahrt stolze 15,2 Liter Durchschnittsverbrauch an. Je nach Fahrweise dürfte sich der Benzinverbrauch also irgendwo zwischen zehn und 15 Litern bewegen.

Billiger als die deutschen Premium-Modelle
Wie der Verbrauch, so ist auch der Preis der V6-Allradversion recht happig. Mindestens 34.860 Euro kostet die Passat Limousine 3.2 FSI und der Variant 36.135 Euro. Technisch ähnlich hochgerüstet, jedoch mit 33.830 Euro etwas günstiger, ist der neue Mazda 6 MPS. Zudem ist der Japaner trotz weniger Hubraum und nur vier Zylindern antrittstärker und zudem deutlich besser ausgestattet als der Passat. Der Mazda-Allradsportler ist jedoch ausschließlich als Limousine und nur mit Sechsgang-Schaltgetriebe bestellbar. Außerdem bietet die Zubehörliste des Japaners bei weitem nicht so viele Optionen wie die des Passats. Auf ähnlichem oder höherem Preisniveau wie der Passat Variant 3.2 FSI sind die Mitbewerber aus Deutschland: Der Mercedes C 280 T-Modell Classic 4Matic kostet 35.148 Euro, der Audi A4 Avant 3.2 FSI Quattro Tiptronic 40.700 Euro und der BMW 330xi Touring Steptronic gar 42.700 Euro. Einen nennswerten Preisvorteil bietet also keines dieser drei Modelle gegenüber dem Passat.
(mh)

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