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Der VW-SUV-Bestseller mit neuem Biturbo-Diesel im Test Endlich sportlich? Tiguan mit 240 PS

München, 26. Juli 2016
Seit Ende April 2016 ist der neue VW Tiguan am Markt. Zur Auswahl standen bislang drei Benzinmotoren mit 125, 150 und 180 PS sowie drei Diesel-Aggregate mit 115, 150 und 190 PS. Das ist Ihnen zu wenig Leistung für ein 4,49 Meter langes Auto, das mindestens 1,5 Tonnen auf die Waage bringt? Dann haben wir jetzt gute Nachrichten für Sie, denn Ende August ergänzt VW die Modellpalette um eine neue Topversion mit Biturbo-Diesel. Wir konnten den 240 PS starken Tiguan schon Probe fahren und uns dabei nicht nur von den Qualitäten des Motors überzeugen.

Mit R-Line-Paket
Damit zumindest die Optik sportlich ausfällt, ist unser Testwagen mit dem optionalen R-Line-Paket versehen worden. In den verbreiterten Radhäusern sitzen 20-Zöller (für nochmals 485 Euro Aufpreis, Serie sind 19-Zöller), Front- und Heckstoßfänger wurden sportlicher gestaltet und im Kühlerschutzgitter sitzt das R-Line-Logo. Wir steigen ein. Auch auf den bequemen Sitzen, dem unten abgeflachten Lenkrad und den Einstiegsleisten findet sich das R-Line-Logo wieder. Pedale und Fußstütze sind aus gebürstetem Edelstahl.

Zweiliter-Vierzylinder-Biturbo-Diesel
Kommen wir zum Antrieb: Mehr Leistung? Kein Problem, einfach den Dreiliter-V6-Diesel aus dem VW Touareg unter die Haube packen und schon hat sich die Sache, oder? Nun ja, so einfach ist es dann doch nicht: Da die zweite Generation des VW Tiguan auf dem Modularen Querbaukasten aufbaut (wie der Golf oder der Passat), passen die Motoren mit sechs Zylindern nicht in den Maschinenraum. Bei der aktuellen Passat-Generation hat man es schon vorgemacht und den Zweiliter-Vierzylinder-Diesel mit einer Biturbo-Aufladung ausgestattet. Dieses Aggregat zieht nun auch in den Tiguan und wird dort (wie beim Passat) serienmäßig mit einem Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe und dem 4Motion-Allrad gekoppelt.

240 PS und 500 Newtonmeter Drehmoment
Wir drücken den Startknopf und der etwas nagelig laufende Selbstzünder erwacht zum Leben. Auf "D" und los gehts. Unsere erste Etappe führt uns über schmale Straßen durch das Alpenvorland. Wir sind im Comfort-Modus unterwegs und gleiten von Ortschaft zu Ortschaft. Wird nach den Häuseransammlungen die Geschwindigkeitsbegrenzung aufgehoben und man verlangt, dass die 240 PS und 500 Newtonmeter Drehmoment einen möglichst schnell von 50 auf 100 km/h beschleunigen, muss man bei der Gasannahme eine kurze Gedenksekunde einkalkulieren. Wir schalten deshalb in den Sport-Modus. Hier spricht der Motor deutlich spontaner an, die zum Teil etwas unebenen Straßen werden weiterhin von dem Fahrwerk sauber flachgebügelt und es kommt zu keinem Wanken oder Schaukeln. Darüber hinaus verstärken sich die Rückstellkräfte der Progressivlenkung (die ist optional und kostet 225 Euro Aufpreis) sehr angenehm und geben ein tolles Feedback. Das stabile Handling erinnert fast an einen normalen Kompaktwagen und nicht an ein SUV.

Satte Beschleunigung, erreichbare Höchstgeschwindigkeit
Die Autobahnauffahrt ist in Sicht: Ein letztes Mal heißt es komfortabel verzögern (die etwas teigige Bremse lässt es nicht wirklich anders zu) und schon befinden wir uns auf einem verkehrsarmen Teilstück der A94. Vollgas. Von unten heraus schieben die 500 Newtonmeter den in dieser Ausführung 1,8 Tonnen schweren Allrad-Tiguan gut nach vorne. Die Gangwechsel gelingen dem Wagen DSG-typisch sehr flott und nach 6,5 Sekunden fällt die 100-km/h-Marke. Bis Tempo 200 reicht die Leistung für spontane Zwischenspurts. Die Höchstgeschwindigkeit von 228 km/h braucht allerdings eine wirklich sehr freie Autobahn und noch viel mehr Geduld. Doch selbst ausgefahren ist die Straßenlage sehr souverän und die Windgeräusche bleiben (bis auf ein leichtes Pfeifen an der A-Säule) im Rahmen. Bei einer solchen Fahrweise sind die von VW angegeben 6,4 Liter Diesel je 100 Kilometer natürlich nicht erreichbar (bei Topspeed zeigt der Bordcomputer einen Momentanverbrauch zwischen 15 und 20 Liter), doch bei normaler bis leicht sportlicher Fahrt konnten wir einen Wert von unter acht Liter herausfahren.

Umfangreiches Angebot von Online-Diensten
Aber nicht nur bei so elementaren Eigenschaften wie einem neuen Motor wird der Tiguan aufgerüstet. Ein weiteres Update findet in der digitalen Welt statt: Eine gescheite Smartphone-Anbindung über Dienste wie Mirrorlink, Android Auto oder Apple Carplay, induktives Laden oder umfangreiche Fahrassistenzsysteme gehören mittlerweile zum Standard-Technik-Repertoire (nicht nur bei VW). Neu im Tiguan sind verschiedene Online-Dienste unter dem Dachnamen "Car-Net", die in die Bereiche "Security & Service" und "Guide & Inform" aufgeteilt sind. "Security & Service" beinhaltet einen Notrufdienst mit Pannenruf und automatischer Unfallhilfe. Auf Wunsch kann das System durch Funktionen wie der Sammlung von Fahrparametern, einer Parkpositionsspeicherung sowie Fahrzeugdaten-Updates (Restreichweite, Tankinhalt, Licht-, Türen- und Wartungsinformationen) erweitert werden. Per App lassen sich außerdem eine Höchstgeschwindigkeit und ein Fahrgebiet festlegen. Verlässt das Fahrzeug dieses Gebiet oder überschreitet es die Höchstgeschwindigkeit, erhält der Besitzer eine Benachrichtigung auf sein Smartphone. Passen Sie in Zukunft also auf, von wem Sie ihr Auto leihen. "Guide & Inform" stellt Live-Informationen zum Verkehr oder den Spritpreisen zur Verfügung.

Basispreis und kostenpflichtige Optionen
Einen genauen Preis hat VW für den neuen 240-PS-Biturbo-Diesel-Tiguan noch nicht genannt. Mit etwa 42.500 Euro sollten wir laut Hersteller aber rechnen. Damit ist der nur in der höchsten Ausstattungslinie "Highline" erhältliche Top-Selbstzünder gut 2.500 Euro teurer als die 190-PS-Diesel-Ausführung mit Siebengang-DSG und Allrad. Bei den 42.500 Euro wird es allerdings wohl kaum bleiben, denn die Aufpreisliste ist ziemlich umfangreich: Sie wollen das sportliche R-Line-Paket? 2.765 Euro. Das große Fahrassistenz-Paket (beispielsweise mit Spurhalte-, Stau- oder Ausparkassistent) kostet 1.480 Euro und auch in dieser Preisklasse eher selbstverständliche Dinge wie ein Navigationssystem oder eine Fahrzeuglackierung in Weiß kosten 555 beziehungsweise 230 Euro extra. Ein Konkurrenzmodell ist der etwas kleinere BMW X1 mit Zweiliter-Vierzylinder-Diesel und 231 PS. Auch er verfügt über einen Allradantrieb. Geschaltet wird mittels Achtgang-Automatik. Der Preis? Ebenfalls 42.500 Euro.
(ml)

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