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Kleiner Stadt-Sportler für Karofans VW Up GTI im Test

Haar, 28. Februar 2018
Der einzige Volkswagen seiner Klasse: Mit diesem gelungenen Claim machte VW eine Zeit lang Werbung für sein kleinstes Modell, den 3,60 Meter langen Up. Nun bekommt das Auto eine Sportversion mit den prestigeträchtigen drei Buchstaben GTI. Am 25. Februar 2018 hat VW den ersten Wagen ausgeliefert. Wir haben das Auto bereits getestet.

Viel Schub und viel Krach
Der VW Up GTI hat den bekannten 1,0-Liter-Dreizylinder unter der Haube, der alle Up-Varianten (außer e-Up) antreibt. Mit Turbolader kommt er hier auf 115 PS und stattliche 200 Newtonmeter Drehmoment. Die versetzen das Wägelchen gut in Schwung. Schon ab 1.500 Touren kann man beschleunigen, ohne dass das Motörchen murrt. Und die Umwelt (besonders die urbane, feinstaubgeplagte) freut sich über den serienmäßigen Benzinpartikelfilter – den haben bisher nur wenige Autos. Was aber gleich nach dem Losfahren auffällt, ist der Sound. Es klingt, als wäre ein riesiger V8-Motor am Werk. Das dumpfe Grollen kann natürlich nicht real sein, ein "Sound-Aktuator" verstärkt den Motorsound. Wie das System genau funktioniert, verrät VW nicht, aber ich kann Ihnen zweierlei verraten: Erstens, der Sound passt nicht zum Auto, er ist überdimensioniert. Gegen ein bisschen Aufpeppen hab ich nichts, aber das hier ist over the top. Zweitens, der Sound ist zu laut und nicht abschaltbar, was vor allem bei längeren Autobahnfahrten stört.

Lust auf 200 km/h im Stadtfloh?
Für Autobahnfahrten ist der Up GTI nicht gemacht, sagen Sie? Richtig. Artgerechte Haltung bedeutet bei einem so kleinen Auto: Citybetrieb. Für lange Fahrten ist der Up GTI auch wegen des serienmäßigen Sportfahrwerks nicht prädestiniert. Nicht, dass man dauernd wippen würde, das nicht. Der Unterschied ist gering, der Wagen liegt gerade mal eine Daumenbreite tiefer als ein normaler Up. Aber ab und zu, bei Querfugen, knallt der Wagen dann doch etwas unsanft auf. Das Maximaltempo von fast 200 km/h mag ich mit diesem Winzling nicht austesten. Ehrlich gesagt, mir Hasenfuß reicht in diesem Winzling Tempo 140, maximal 160.



Super Sitze
Ansonsten ist der Up GTI ein prima Partner für den Alltag. Was mir besonders gefällt, sind die Sitze, die mir wie angegossen passen und mich auch in Kurven sehr gut festhalten. Auch die rote Ambientebeleuchtung fällt positiv auf. Sehr nett ist auch, dass man Ventilkappen mit VW-Logo bestellen kann – auf solch kindischen Kleinkram stehe ich, davon könnte es ruhig noch mehr geben. Weniger gefällt mir das Dashpad im schwarzroten Pixeldesign – das wirkt mir zu feminin – und die GTI-typischen Stoffbezüge mit Karomuster sind mir zu altmodisch. So, nun aber Schluss mit dem Gemeckere, zurück zu den Facts.

Gute Ausstattung, aber üppiger Preis
Serienmäßig ist der Up GTI wie der normale Up ein Dreitürer, doch auch einen Fünftürer gibt es. Die Fondtüren sind vor allem für Eltern wichtig, die so ihren Nachwuchs leichter in die Kindersitze bugsieren können. Erwachsene werden im Fond mangels Beinfreiheit nicht viel Freude haben. Der Kofferraum bietet auf den ersten Blick wenig Platz, doch unter dem Einlegeboden gibt es zusätzlichen Stauraum. Nach dem Umklappen (die Fondlehne ist serienmäßig geteilt) bietet der Wagen sogar fast 1.000 Liter Volumen. Zur Serienausstattung gehören außerdem 17-Zoll-Alufelgen, Nebelscheinwerfer, elektrisch einstell- und beheizbare Außenspiegel, elektrische Fensterheber vorne, eine Klimaanlage, eine Sitzheizung vorne und das Radio "Composition".

Navigation: Besser mit Saugnapf und Google Maps
Mit dem Serienradio kann man aber sein Smartphone nicht verbinden. Wer damit zum Beispiel navigieren möchte oder per Bluetooth Anrufe entgegennehmen möchte, sollte das Radio "Composition Phone" für 130 Euro Aufpreis ordern. Die darüber hinaus verfügbare Handy-Halterung "Maps + More Dock" ist mit 170 Euro arg teuer, zumal sie nur für Geräte bis fünf Zoll passt – wer sich später ein Samsung S8 oder Apple iPhone X anschafft, wird sich ärgern. Auch auf die VW-eigene Gratis-App namens "Maps + More" habe ich verzichtet. Erstens habe ich mit dieser App früher schon schlechte Erfahrungen mit Systemabstürzen gemacht und zweitens muss man dafür eigens Navigationskarten (anfangs gleich mal ein Gigabyte) herunterladen. Ich würde sowohl auf Composition Phone als auch auf Maps + More verzichten. Eine günstige Handy-Halterung mit Saugnapf und Google Maps reichen zur Navigation aus – das klappt eigentlich recht gut. Einen USB-Anschluss zur Stromversorgung des Handys hat der Up GTI ohnehin serienmäßig.

Üppiger Preis
Der Preis für den Up GTI ist recht üppig: 16.975 Euro. Das sind etwa drei Tausender mehr als die bisherige Topversion High Up mit 95-PS-Turbo kostet. Den Renault Twingo GT mit 109-PS-Turbo bekommt man ab 15.590 Euro, den Kia Picanto GT Line mit 100-PS-Turbo für 15.790 Euro.
(sl)

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