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Macht ein 407 PS starkes Plug-in-SUV Sinn? Volvo XC60 T8 im Alltagstest

Haar, 18. Dezember 2017
Eigentlich bin ich ja eher so der Volvo-XC90-Typ. Vor allem wegen der schieren Größe. Nun braucht aber nicht jeder SUV-Kunde ein Fahrzeug von 4,95 Meter Länge sowie 1,96 Meter Breite. Und vielen machen die gewaltigen Abmessungen in schmalen Baustellen oder engen Tiefgaragen sogar Angst. Deshalb gibt es den neuen XC60, der eine Nummer kleiner ausfällt, aber der genauso fantastisch aussieht und der mit ebenso vielen Technik-Spielereien vollgestopft ist wie sein großer Bruder. Und weil sich beide Fahrzeuge eine Plattform teilen, fährt der XC60 mit den gleichen Antrieben wie der XC90 vor. Heißt: Auch das Mittelklasse-SUV bietet Volvo mit einem 407 PS starken Plug-in-Hybrid-System an. Macht so etwas überhaupt Sinn? Ich habe den XC60 T8 Twin Engine eine Woche im Alltag bewegt.

Unscheinbares Design, gewaltige Fahrleistungen
Optisch liefert Volvo nicht viele Hinweise auf den Teilzeitstromer. Auf dem Kofferraumdeckel befindet sich eine "T8"-Plakette mit dem Namenszusatz "Twin Engine", hinter dem linken vorderen Radkasten kann man eine zweite Tankklappe entdecken. Das wars. Beim Blick in den Innenraum offenbart sich der Plug-in-Hybrid dann anhand des Kristall-Gangwahlhebels, der in dieser Form nur diesem Modell vorbehalten ist. So sieht Understatement anscheinend in Schweden aus, denn trotz des unscheinbaren Designs wohnt ordentlich Power in diesem XC60. Antreten zur Theoriestunde: Das Antriebssystem arbeitet mit einem 320-PS-Benziner an der Vorder- und einem 87-PS-Elektromotor an der Hinterachse. Die Systemleistung: 407 PS. Das Systemdrehmoment: 640 Newtonmeter. 0-100 km/h: 5,3 Sekunden. Ja, damit ist dieses Volvo-SUV auf dem Papier potenter als ein Audi SQ5.

Elektrisch unter der Woche
Volvo gibt für den XC60 T8 einen kombinierten Verbrauch von 2,1 Liter je 100 Kilometer an. Klar, ich könnte auch einen Spritkonsum von 0,0 Liter erreichen und lokal völlig emissionsfrei fahren, aber dann müsste ich den Lithium-Ionen-Akku des Wagens theoretisch alle 45 Kilometer (30 Kilometer entsprechen im normalen Straßenverkehr eher der Realität) für einige Stunden an eine Steckdose hängen. Da ich an Werktagen täglich rund 25 Kilometer zu fahren habe und meine Garage einen Stromanschluss hat, kann ich unter der Woche komplett elektrisch fahren. Im "Pure"-Modus klappt dies bis 125 km/h und so hab ich auch bei der kurzen Autobahnetappe keine Probleme zu befürchten. So summe ich jeden Tag lautlos ins Büro und wieder zurück.

Mit Superbenzin durchs Wochenende
Am Wochenende steht jedoch eine längere Reise an. Knapp 900 Kilometer wollen bewältigt werden. Dafür müsste ich auf der Strecke rund 30 mal eine Ladepause machen. Ich wähle den "Hybrid"-Modus und verfüge zudem im Infotainment-System mittels einer "Hold"-Funktion bei noch zehn Kilometer elektrischer Restreichweite, dass der Akku nun nichtmehr weiter entladen wird. Schon schaltet sich sanft der Benziner dazu und zum ersten Mal in dieser Woche verbrennt der Volvo Sprit aus seinem 50 Liter großen Tank. Nur beim stärkeren Beschleunigen, im Stau oder beim Gleiten ist der E-Motor nun noch aktiv. Am Ende meiner Reise ohne erneute Stromzufuhr werden so insgesamt 8,3 Liter Superbenzin durch die Brennräume des Vierzylinders mit Turbo- und Kompressoraufladung geschleust. Mit viel Gefühl lassen sich aber auch 7,4 Liter je 100 Kilometer realisieren. Klingt nach viel, aber ein durchaus akzeptabler Wert für ein SUV dieser Größe, mit diesen Fahrleistungen und mit diesem Komfort.

Komfortabel bis "sportlich"
Sehr komfortabel sogar. Denn selbst wenn das Plug-in-Hybrid-Topmodell schneller als alle anderen XC60-Varianten geradeaus fahren kann, sollte man es auch mit diesem Volvo-SUV eher ruhig und gelassen angehen. Dazu passt auch das Ambiente, das selbst eine Designerwohnung konservativ und altbacken aussehen lässt. Im "Power"-Modus wird das adaptive Luftfahrwerk trotzdem etwas straffer, die Rückstellkräfte der Lenkung werden verstärkt und Kurvenfahrten gelingen plötzlich ein wenig besser, als man das von einem 2,2 Tonnen schweren Mittelklasse-SUV erwartet. Denn schließlich sollen die 1.610 Euro teuren Leder-Sportsitze in meinem Testwagen nicht nur optisch Eindruck hinterlassen.

Ein Öko-Schnäppchen macht man nicht
Ja, jetzt sollten wir auch noch über Preise reden. Genau hier hat der Volvo nämlich seinen größten Haken. Der Basispreis von 69.270 Euro ist ziemlich happig. Ein XC60 D4 mit 190-PS-Diesel ist stolze 23.000 Euro günstiger. Okay, LED-Scheinwerfer, eine Klimaautomatik und die meisten Fahrassistenzsysteme sind im T8 schon Serie. Aber eine ausgiebige Shoppingtour durch die Sonderausstattungslisten des Herstellers ist trotzdem noch nötig. Eine sechste Stelle lässt sich jedoch vermeiden. 1.750 Euro für "Pilot Assist II" für teilautonomes Fahren bis 130 km/h, das Business-Paket mit Navigationssystem, Apple CarPlay und Android Auto für 1.200 Euro sowie 2.980 Euro für das Infotainmentsystem mit der Bowers&Wilkins-Soundanlage sollten Sie für Ihr eigenes Wohl auf jeden Fall noch in Ihren XC60 investieren. Ansonsten ärgern Sie sich später, wenn Sie einmal in einem SUV eines Freundes oder Kollegen sitzen, das genau diese Features an Bord hat.
(ml)

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