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Wir waren bei der letzten Abnahmefahrt des neuen Skoda-SUVs dabei Der Yeti-Nachfolger heißt Skoda Karoq

Tallinn (Estland), 28. April 2017
Seit 2009 hat Skoda den Yeti im Programm. Und die Mischung aus Hochdachkombi und SUV ist eigentlich ein tolles Konzept, ein etwas ungewöhnliches und polarisierendes, ja, aber viele Fans hat der Wagen trotzdem gefunden. Doch auch ein Yeti muss mit der Zeit gehen. Und wenn man heute so richtig erfolgreich sein will, geschieht das in Einheitskleidung, die unmissverständlich die Familienzugehörigkeit zeigt. Außerdem darf man mit der Karosserieform nicht allzu sehr anecken. Und bei Google muss man auch gefunden werden – hauen Sie in Ihre Suchmaschine doch einmal den Begriff "Yeti", die Bilder-Topergebnisse sind stets zottelige Schneemenschen. Mit diesen Gedanken im Hinterkopf ist in den letzten vier Jahren bei Skoda der Nachfolger des Yeti entstanden. Und dabei wurde so vieles verändert, dass der vercrossoverte Nachfolger nicht mehr länger diesen Namen tragen kann. Wie der Yeti 2.0 heißt? Karoq! Was sich auf den zwei Millionen Testkilometern geändert hat? Einiges! Wir waren bei den letzten Vorserienkilometern der Karoq-Entwicklung dabei. Zeit für eine Abnahmefahrt.

Geheimakte "Karoq"
Weil der Karoq noch eine ziemlich geheime Sache ist, werden wir in das geografisch recht abgeschiedene Tallinn geflogen. Von dort aus geht es über eine Stunde durch dünn besiedelte Wälder ins nordische Niemandsland irgendwo zwischen der estnischen Hauptstadt und dem russischen Sankt Petersburg. Viel Geheimniskrämerei um ein Fahrzeug, das zu großen Teilen dem Seat Ateca ähnelt, oder? Nachdem unsere Handykameras dann mit Aufklebern unbrauchbar gemacht wurden, geht es los und Bernhard Maier, Vorstandsvorsitzender von Skoda Auto, zieht das Tuch von dem neuen Crossover. Applaus.

Zahlen, Zahlen, Zahlen: Die Abmessungen
Sprechen wir über die Abmessungen: Der Karoq ist 4,38 Meter lang, 1,84 Meter breit, 1,61 Meter hoch und der Radstand misst 2,64 Meter. Damit rangiert der kompakte Skoda ganz markentypisch am oberen Rand seiner Klasse. Sie wollen untermauernde Vergleichszahlen? Bittesehr: Der Karoq ist mit seinem Namenswechsel 16 Zentimeter länger, fünf Zentimeter breiter und acht Zentimeter flacher geworden. Der Radstand vergrößerte sich um gut fünf Zentimeter. Und im Vergleich zum Ateca? Da ist der Tscheche lediglich zwei Zentimeter länger.

Viel Platz für Menschen und Gepäck
Diese Werte sorgen vor allem für viel Platz im Innenraum. Auf den vorderen Sitzen ohnehin und im Fond ebenfalls. Anders ausgedrückt: Als knapp 1,90 Meter großer Sitzriese könnte ich auf den hinteren Plätzen fast spazieren gehen. Und obwohl der Karoq im Vergleich zum Yeti nicht unbedingt praktikabler aussieht, fasst der Kofferraum 521 bis 1.630 Liter. Klassenrekord. Und wenn die längs verschiebbaren Vario-Sitze im Fond verbaut sind (die wird es gegen Aufpreis geben), lässt sich das Gepäckvolumen von 479 bis 588 Liter variabel anpassen. Je nachdem, ob Sie nun große Passagiere mit kleinem Gepäck oder kleine Passagiere mit großem Gepäck an Bord haben. Was Sie noch über den Kofferraum wissen müssen? Die Ladekante ist schön niedrig, doch nach dem Umlegen der Sitze entsteht kein ebener Ladeboden.

Design? Ein stimmiger Elemente-Mix
Und die Gestaltung? Bis zu einer detaillierten Designdiskussion anhand von offiziellen Fotos müssen Sie sich noch ein wenig gedulden. Weil wir aber bereits einen ersten Blick auf einen ungetarnten Karoq werfen konnten, können wir Ihnen schon vor der unverhüllten Premiere einen schriftlichen Ausblick geben und Vermutungen bestätigen: Die Front? Sie sieht aus wie die eines kleineren Kodiaq – mit den schmalen Scheinwerfern und darunter positionierten Nebelleuchten. Die Seitenlinie? Erinnert mit einem sehr charakteristischen Kantenverlauf stark an den Seat Ateca. Das Heck? Vorhang auf für einen weniger faltigen und kleineren Kodiaq-Hintern mit – gegenüber dem großen Bruder – geschrumpften Rückleuchten. Dazu kommen die für Skoda-SUVs typischen eckigen Radhäuser und unlackiertes Plastik an den Schwellern, an Front- und Heckschürze sowie über den Radläufen.

Die Antriebsstränge im Überblick
Zu den technischen Daten: Die Motorenpalette beinhaltet zwei Benziner und drei Diesel. Der kleine Benziner ist ein 1,0-Liter-Dreizylinder-Turbo mit 115 PS. Er wird durch einen 1,5 Liter großen Vierzylinder mit automatischer Zylinderabschaltung und 150 PS ergänzt. Auf der Selbstzünder-Seite stehen ein 1,6-Liter-Vierzylinder mit 115 PS sowie ein 2,0 Liter großes Vierzylinder-Aggregat mit 150 oder 190 PS. Alle Maschinen sind entweder mit Sechsgang-Schaltung oder Siebengang-DSG erhältlich. Allrad ist stets optional, beim Topdiesel jedoch serienmäßig (genau wie das Siebengang-DSG). Probleme mit dem Gewicht wird wohl keiner der Antriebe haben, denn an diesem hat sich trotz des großen Karoq-Yeti-Sprungs nichts Gravierendes verändert. Und da die Antriebe alle weitestgehend aus den Schwester- und Bruder-Modellen der Konzernverwandtschaft bekannt sind, gibt es auch hier keine großen Auffälligkeiten zu berichten. Trotzdem ein paar Eindrücke der gefahrenen Versionen: Der 150-PS-Diesel fällt durch einen etwas brummigen Leerlauf-Sound auf, ist aber mit seinem früh anliegenden Drehmoment von 340 Newtonmeter unten raus schön kräftig. Der 150-PS-Benziner ist hingegen äußerst laufruhig, gerade beim Anfahren aber etwas schwächer auf der Brust. Das Siebengang-DSG passt zu beiden Motoren. Auf den Allrad kann man in den meisten Fahrsituationen verzichten.

Komfortabler als der Ateca
Kurz und knapp (genauso wie unsere Probefahrt mit den getarnten Vorserienfahrzeugen): Der Karoq fährt sich sehr erwachsen. Der Abrollkomfort ist gigantisch gut und vergleichbar mit dem des Ateca. Beim Federungskomfort ist der Tscheche dem Spanier aber überlegen, denn das etwas stoisch auf Querfugen reagierende Ateca-Fahrwerk ist deutlich sportlicher ausgelegt als das im eher gemütlichen Karoq. Selbst wenn das DCC mit an Bord ist – optional sind für den 1.5 TSI sowie den 2.0 TDI nämlich auch adaptive Dämpfer erhältlich -- und der Sport-Modus aktiviert ist (daneben gibt es dann die Modi "Eco", "Normal", "Individual" und "Schnee"), bleibt der Karoq stets etwas unverbindlicher als der temperamentvollere Seat. Und sogar einen Offroad-Modus gibt es im Karoq. Er lässt sich über einen separaten Knopf aktivieren. Auf dem Infotainment-Touchscreen erscheinen dann verwegene Gelände-Anzeigen, das Gaspedal wird etwas weniger sensibel und die Bergabfahrhilfe ist aktiv. Neben der Software dürfte aber auch die Hardware eine gewisse Raubeinigkeit zulassen. Die Bodenfreiheit beträgt 18 Zentimeter, durch die kurzen Überhänge betragen Böschungswinkel vorne und hinten 19,9 beziehungsweise 27,8 Grad und der Rampenwinkel liegt bei 20,3 Grad.

Konnektivität und Infotainment
Auch wenn unsere erste Fahrt nicht einmal 50 Kilometer weit war, trauen wir dem Karoq doch eine hohe Langstreckentauglichkeit zu. Wieso? Weil es im Innenraum schön leise ist. Außerdem sorgen die gängigsten Fahrassistenten für Unterstützung und die Sitze sind überaus komfortabel. Apropos Komfort: Connected und "always on" ist der Yeti 2.0 auch. Smartphone-Koppelung, WLAN, Internet-Dienste, ein SOS-Knopf im Falle eines Unfalls, Sie wissen schon. Neben all der Cleverness geht der schicke 9,2-Zoll-Touchscreen mit (mäßig funktionierender) Gestensteuerung fast unter, obwohl er maßgeblich dazu beiträgt, die Mittelkonsole von vielen Knöpfen zu entlasten. Eine echte Neuerung: das "Digital Instrument Panel". So nennt Skoda das digitale und frei konfigurierbare Kombiinstrument hinterm Lenkrad, das wir bereits aus dem VW Tiguan kennen und das nun erstmals in einem Skoda zum Einsatz kommt. Okay, es wird Aufpreis kosten und erst ein halbes Jahr nach der Markteinführung erhältlich sein, aber das Warten und der Mehrpreis dürften sich lohnen.

Markteinführung und Preis
So sind wir also bei den beiden letzten Punkten Markteinführung und Preis angelangt: Letzteren nennt der Hersteller noch nicht. Auf Nachfrage wird uns aber erklärt, dass der Karoq etwas über dem Seat Ateca eingepreist wird. Wie viele Euros mehr investiert müssen, bleibt aber vorerst offen. Doch da der Aufpreis vonseiten des Herstellers lediglich mit dem etwas üppigeren Platzangebot begründet wird, rechnen wir mit einem Aufschlag von nicht mehr als 2.000 Euro. Damit wird der Basis-Karoq zwar die 20.000-Euro-Marke überschreiten (ein Seat Ateca mit 1,0-Liter-Dreizylinder-Benziner, Frontantrieb und Sechsgang-Schaltung kostet nämlich mindestens 19.990 Euro), ein Tiguan ist mit einem Einstiegspreisen von 26.575 Euro aber immer noch ein klein wenig teurer. Auf dem Markt kommt der Karoq im zweiten Halbjahr 2017.
(ml)

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