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Der BMW 520d Touring tritt gegen das Mercedes E 220 CDI T-Modell an Touring vs. T-Modell: Premium-Kombis im Vergleichstest

Haar, 25. Februar 2011
In der oberen Mittelklasse ist die Mercedes E-Klasse hierzulande das gefragteste Modell, gefolgt vom 5er-BMW. Mit der Neuauflage dieser Baureihe versucht der Münchner Hersteller seit Frühjahr 2010, den ewigen Rivalen aus Stuttgart in diesem Segment einzuholen. Nach der Limousine ergänzt seit kurzem die beliebte Kombiversion das 5er-Angebot. Für uns die Gelegenheit, die beiden Lademeister miteinander zu vergleichen. Wir haben die Premium-Kombis als sparsame und vergleichsweise günstige Vierzylinder-Diesel mit Automatikgetriebe gegeneinander antreten lassen. BMW 520d Touring oder Mercedes E 220 CDI Blue­Efficiency T-Modell – wer ist besser?

KAROSSERIE/INNENRAUM
Der 4,91 Meter lange BMW 5er Touring vereint optisch Dynamik und Eleganz. Links und rechts des Kühlergrills in Form der traditionellen Doppelniere sorgen breit gezogene Scheinwerfer für einen freundlichen, aber bestimmten Gesichtsausdruck. Bis zur B-Säule ist der Touring identisch mit der Limousine. Die Dachlinie fällt sanft nach hinten ab und mündet in einem ansprechend geformten Buckel. Weiche Linien und viele Rundungen unterstreichen, dass die Designer aus Bayern großen Wert auf ein schickes Exterieur beim Edellaster gelegt haben.

Ecken und Kanten
Im Vergleich dazu wirkt das E-Klasse T-Modell von außen etwas nutzwertorientierter. Der Mercedes besitzt mehr Ecken und Kanten, vor allem aber einen relativ steilen Dachabschluss. Die Karosserie des Schwaben deutet bereits an, dass innen viel Platz wartet. Es überrascht daher, dass der voluminöser wirkende Benz etwas kürzer ausfällt als der BMW, wenn auch nur rund einen Zentimeter. Große hintere Seiten- und Heckscheiben lassen viel Licht ins Fahrzeug­innere des T-Modells. Das ist in der Regel vorteilhaft beim Rangieren. Doch ein Blick nach hinten lässt nur jede Menge Auto erkennen und macht das Einparken alles andere als einfach. Parksensoren sind beim Mercedes deshalb eigentlich unerlässlich. Das gilt für den 5er Touring jedoch ebenso.

Mercedes: Unschlagbar großer Kofferraum
Hinsichtlich des Platzangebots hält das E-Klasse T-Modell, was das Äußere verspricht: Es gibt jede Menge davon, sowohl für die Passagiere als auch fürs Gepäck. Der Kofferraum ist serienmäßig über eine elektrische Heckklappe zugänglich. 695 Liter Fassungsvermögen im Normalzustand sind bereits sehr ordentlich. Die 1.950 Liter bei umgelegten Rücksitzlehnen und dachhoher Beladung sind hingegen unschlagbar in der oberen Mittelklasse. Eine tiefe Ladekante sowie ein außerordentlich breiter und langer Laderaum lassen beim Mercedes nur wenige Transportwünsche unerfüllt.

BMW: Durchschnitts-Gepäckabteil
Der 5er Touring hat zwar keinen kleinen Kofferraum, aber auch im Vergleich mit anderen Konkurrenten ist das Fassungsvolumen eher durchschnittlich: zwischen 560 und 1.670 Liter passen hinein. Auch bezüglich der Ladefläche und -höhe reicht der BMW nicht an das große T-Modell heran. Nichtsdestotrotz lassen sich im 5er Touring zwei Fahrräder, oder ein Standard-Kühlschrank transportieren. Praktisch: Die drei Rücksitzlehnen können individuell und jeweils einzeln umgelegt werden. Eine automatisch öffnende und schließende Kofferraumklappe muss beim 5er extra bezahlt werden. Serienmäßig lässt sich dafür separat die Heckscheibe des Touring öffnen, etwa um kleine Gegenstände zu verstauen.

In beiden viel Platz für die Passagiere
Das Platzangebot für die Insassen ist in beiden Kombis großzügig: Vorne muss man sich in einem BMW oder Mercedes dieser Klasse ohnehin nie Sorgen machen. Doch sowohl der Proband aus München als auch der Kandidat aus Stuttgart können im Fond bis zu drei Passagiere komfortabel aufnehmen. Um mit dem Kopf nur in die Nähe des Dachhimmels zu geraten, muss man schon deutlich mehr als Durchschnittsgröße aufweisen. In puncto Beinfreiheit bietet der Touring ordentlich Platz, das T-Modell sogar noch etwas mehr. Auffallend bei beiden Kontrahenten: Wer hinten sitzt, bekommt von der Außenwelt nicht allzu viel zu sehen. Hohe Fensterlinien, massive Vordersessel und – vor allem im Mercedes – eine niedrige Sitzposition schränken das Sichtfeld der hinteren Fahrgäste stark ein.

Edle Materialien und Top-Verarbeitung
Gestaltung, Qualität und Verarbeitung der Interieurs bewegen sich beim 5er- wie beim E-Klasse-Kombi auf äußerst hohem Niveau. Die zwei Testwagen glänzen durch die Verwendung von Leder sowie Applikationen aus Edelholz und Aluminium – allesamt natürlich aufpreispflichtig. Unser 5er verfügt über optionale, vielfach verstellbare Komfortsitze, die diesem Namen in jeder Hinsicht gerecht werden. Das Cockpit fällt übersichtlich aus, die Mittelkonsole ist BMW-typisch zum Fahrer geneigt. Das Festplatten­Navigationssystem "Professional" wird mit einem ungewöhnlich großen Monitor (über 25 Zentimeter Bildschirmdiagonale) kombiniert, kostet dafür allerdings mehr als 3.000 Euro. Wer das iDrive-Bedienkonzept mit dem Dreh-/Drück-Knopf neben dem Schalthebel einmal verstanden hat, findet sich in dem System sofort zurecht. iDrive-Neulinge sollten allerdings eine gewisse Eingewöhnungszeit für die Bedienung einplanen.

Ähnliche Bedienkonzepte
Auch Mercedes setzt in der E-Klasse auf einen großen Multifunktions-Bildschirm (in unserem Fahrzeug mit 17,8 Zentimeter Diagonale) und einen runden Controller in der Mittelkonsole. Die Logik dieses Systems unterscheidet sich nicht wesentlich von der BMW-Lösung. In Kombination mit dem ebenfalls über 3.000 Euro teuren Festplatten-Navi "Comand APS" weist die Armaturentafel der E-Klasse zusätzlich eine unübersichtliche Anzahl an Tasten und Schaltern auf, die leicht Verwirrung stiften kann. Die aufpreispflichtigen Aktiv-Multikontursitze des Mercedes lassen für jeden Fahrer und Beifahrer eine absolut angenehme Position finden. Neben den üblichen Verstellmöglichkeiten sind in diesem Fall auch die Lehnenwangen anpassbar. Die integrierte Massagefunktion kann für Entspannung während der Fahrt sorgen.

MOTOR/GETRIEBE
Unsere zwei Edellaster werden beide von einem Vierzylinder-Turbodiesel angetrieben. Die 184 PS starke Zweiliter-Maschine im 520d ist der kleinste für den Touring erhältliche Selbstzünder. Das E 220 CDI Blue­Efficiency T-Modell verfügt über ein Triebwerk mit 170 PS und 2,1 Liter Hubraum. Als Einstiegsvariante ist der Motor auch mit 136 PS erhältlich. Der Mercedes zeigt gleich beim Anlassen, dass hier ein Diesel werkelt. Wenn auch nicht aufdringlich, so nagelt der E 220 CDI doch deutlich wahrnehmbar vor sich hin. Obwohl er mit 14 Pferdestärken weniger auskommen muss als sein Wettbewerber aus München, steht beim Benz ein um 20 Newtonmeter höheres Drehmoment von 400 Newtonmeter zur Verfügung. Das macht sich bemerkbar: Souverän und durchzugsstark wird das über 1,8 Tonnen schwere T-Modell vorwärts bewegt. Lediglich bei Überholmanövern würde man sich noch eine Schippe mehr an Power wünschen. In glatten neun Sekunden beschleunigt das Kombimodell auf Tempo 100. Bei 216 km/h ist die Höchstgeschwindigkeit erreicht.

E 220 CDI: Nür fünf Gänge
Das Automatikgetriebe arbeitet komfortabel und sanft, aber mit etwas zeitlicher Verzögerung beim Gangwechsel. Außerdem stehen nur fünf Schaltstufen zur Verfügung. Dementsprechend hochtourig ist der Mercedes häufig unterwegs. Das macht sich beim Kraftstoffkonsum bemerkbar: Mit einem Normverbrauch von 6,1 Liter gönnt sich das E 220 CDI T-Modell immerhin 0,8 Liter mehr als der 520d Touring Automatic. In der Praxis schluckte unser T-Modell je nach Fahrweise zwischen ein und zwei Liter mehr an Sprit.

520d: Angenehme Laufruhe
Auch der Antrieb des 520d Touring offenbart ein typisches Merkmal bereits beim Start: Er agiert ausgesprochen leise und vibrationsarm. Selbst bei höheren Drehzahlen verrichtet das Common-Rail-Aggregat seine Arbeit angenehm laufruhig und kultiviert. Das Gefühl einer Einstiegsmotorisierung kommt beim 520d nie auf. 184 PS und 380 Newtonmeter sorgen für adäquaten Vorwärtsdrang. Leichte Schwächen zeigt der BMW – wie der Mercedes – lediglich unter Volllast. Beim Beschleunigen von null auf Tempo 100 nimmt der 520d Touring dem E 220 CDI T-Modell deutlich über eine halbe Sekunde ab (8,3 gegenüber 9,0 Sekunden). Mit maximal 220 km/h kitzelt der Bayer letztendlich unerhebliche vier Stundenkilometer mehr an Höchstgeschwindigkeit heraus als der Schwabe. Perfekt harmoniert der Basisdiesel des 5er mit der Achtstufen-Automatik. Die Gangwechsel erfolgen kaum spürbar und äußerst zügig. Zudem lässt sich der Motor mühelos im niedrigen und damit sparsamen Drehzahlbereich halten. Mit einem Durchschnittsverbrauch von laut Hersteller nur 5,3 Liter pro 100 Kilometer gehört der 520d Touring Automatic zu den sparsamsten Kombis in der oberen Mittelklasse. Wir benötigten zwei Liter mehr, bei allerdings vielfach betont dynamischer Fahrweise.

FAHRWERK/LENKUNG
Der Mercedes bügelt nahezu jede Querrille und auch größere Unebenheiten nahezu perfekt weg. Wo das nicht möglich ist, werden die Stöße zumindest spürbar minimiert. Der Abrollkomfort des schwäbischen Lademeisters lässt kaum Wünsche übrig und erfüllt unsere hohen Erwartungen. Die leichtgängige Lenkung passt zum Gesamt-Setup, könnte in unseren Augen aber noch einen Tick direkter agieren. Der 5er verfügt wie die E-Klasse über eine luftgefederte Hinterachse mit Niveauregulierung.

BMW mit automatischer Dämpferanpassung
Unser Touring besitzt zusätzlich die so genannte Dynamische Dämpfer Control inklusive Fahrdynamik Control. Erstere passt an jedem einzelnen Rad 400-mal pro Sekunde die Dämpfer an die jeweilige Fahr- und Straßensituation an. In Kombination mit der Fahrdynamik Control stehen vier verschiedene Einstellungen für die Gesamt-Abstimmung zur Wahl. Je nach Wunsch werden Dämpfer und Lenkung entsprechend weicher oder straffer gestellt. Im "Comfort"-Modus ist der Touring so das perfekt-gemütliche Reiseauto und kann mit dem T-Modell nahezu mithalten. Die beiden Sport-Programme machen den BMW hingegen zum echten Kurvendynamiker mit sportlich-direkter Lenkung.

AUSSTATTUNG/PREIS
Beim Blick in die Preislisten unterstreichen beide Kombis ihren Premium-Anspruch: Der BMW 520d Touring Automatic startet bei 45.200 Euro, Mercedes lässt sich das E 220 CDI BlueEfficiency T-Modell Automatik mit mindestens 47.541 Euro bezahlen. Der Bayer kommt serienmäßig mit 17-Zoll-Leichtmetallrädern, Klimaautomatik, CD-Radio, rundum elektrischen Fensterhebern und Tempomat.

Vieles kostet extra
Erwähnenswert ist aber vor allem, wofür der Münchner Hersteller zusätzliches Geld verlangt. Etwa für eine Dachreling (ab 270 Euro), beheizbare Sitze vorn (380 Euro), Parksensoren (810 Euro) oder die elektrische Heckklappe (560 Euro) muss der Kunde zusätzlich löhnen. Und dann gibt es für den 5er Touring noch eine Vielzahl an innovativen Annehmlichkeiten, die den Preis weiter in die Höhe treiben. Erwähnt seien unter anderem die Komfortsitze (2.260 Euro), das Head-up-Display (1.390 Euro), die exzellent und äußerst zuverlässig arbeitende Verkehrszeichenerkennung (320 Euro), der Spurhalte-Assistent (520 Euro) sowie der allerdings schlecht im Außenspiegel wahrnehmbare Totwinkel-Warner (620 Euro).

E-Klasse mit Müdigkeits-Assistent
Die Kombivariante des E 220 CDI beinhaltet ab Werk ebenfalls Leichtmetallräder (16 Zoll), eine Klimaautomatik, ein CD-Radio, vier elektrische Fensterheber und einen Tempomat. Darüber hinaus ist beim Mercedes immer ein Müdigkeits-Assistent, eine Bluetooth-Freisprecheinrichtung und eine Dachreling mit dabei. Als Sonderausstattung erhältlich sind die Aktiv-Multikontursitze (1.523 Euro), eine Verkehrszeichenerkennung (351 Euro), ein Spurhalte- und Totwinkel-Assistent (zusammen im Paket für 893 Euro) sowie Parksensoren (869 Euro).
(mn)

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