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Zwei kleine SUVs mit 150-PS-Dieseln im Vergleichstest Audi Q2 gegen Mini Countryman

Haar, 13. November 2017
Selten zwei so ähnliche Testautos gehabt: Zumindest von der Papierform her ähneln sich unser Mini Cooper D Countryman und unser Audi Q2 2.0 TDI sehr. Beide haben einen Zweiliter-Diesel mit 150 PS unter der Haube, der etwa 330 Newtonmeter liefert. Beide haben ein Leergewicht von rund 1,5 Tonnen, beide kosten in der Grundversion runde 30.000 Euro. Wer keine klare Markenpräferenz hat, dem fällt da die Wahl erstmal schwer. Wir haben die beiden Autos getestet.

KAROSSERIE UND INNENRAUM
Zunächst zu den Basics. Beide Autos sind SUVs in dem Sinne, dass sie eine robuste Optik bieten, die sich an Offroader anlehnt. Dabei wirkt der Audi jedoch deutlich bürgerlicher, gerade in der gefahrenen Version ohne schwarzes Kratzschutz-Plastik. Außerdem kommt er durch die kleineren Abmessungen nicht so massig daher: Die Höhe ist fünf Zentimeter geringer, die Länge zehn Zentimeter. Das ist schon eine halbe Klasse. Daher geht es bei der Entscheidung auch um die Frage kurz oder lang.

Q2 hat deutlich mehr Bodenfreiheit
Interessanterweise liegt der Audi aber höher, man sieht es schon an der Lage der Schweller. Der Unterschied ist außen jedoch größer als innen – im Mini sitzt man (in der untersten Sitzeinstellung) nur unwesentlich tiefer als im Audi. Sehr deutlich wird der Unterschied aber hinten: Die Ladekante liegt beim Audi gleich zehn Zentimeter höher – das macht sich beim Einladen von schwerem Gepäck bemerkbar.

Audi lässt sich leichter einparken
Die Rundumsicht ist beim Mini besser, der Audi hat arg dicke C-Säulen, die beim Schulterblick etwas stören. Dafür ist der Mini durch seine etwas "wulstige" Karosserie beim Einparken unübersichtlich. Hier fällt auch auf, dass die Parkpiepser arg früh anschlagen, an der linken vorderen Ecke schon bei 25 Zentimeter Abstand. Das bedeutet in der Innenstadt oft: entweder auf gut Glück mit Dauerpiepsen einparken oder weitersuchen nach einer größeren Lücke. In puncto Parkbarkeit hat der Q2 die Nase vorne, und das nicht nur, weil er kleiner ist.

Mini: Mehr Platz im Fond
Die Vordersitze sind bei beiden Autos gut, die des Mini bieten aber noch etwas mehr Seitenhalt, vor allem am Rücken. Die Sitze hinten sind aber beim Audi besser ausgeformt, während man beim Mini leichter seitlich wegrutscht. Die Platzverhältnisse hinten sind jedoch beim Mini großzügiger. Wenn man die Sitzbank ganz nach hinten schiebt, bleibt vor den Knien doppelt so viel Raum wie beim Audi. Denn unser Testfahrzeug ist mit der verschiebbaren Rücksitzbank ausgestattet, die es für geradezu läppische 300 Euro gibt – ein großes Plus in puncto Variabilität, das man sich gönnen sollte.

Mini: Mehr Kofferraum, mehr Variabilität
Die Lehne der Fondbank lässt sich beim Mini serienmäßig zweifach geteilt (im Verhältnis 40:20:40) umklappen, so dass man das mittlere Teil zum Beispiel zum "Durchladen" von Skiern oder Regalteilen nutzen kann. Das gibt es beim Audi ebenfalls, aber nur gegen 250 Euro Aufpreis. Nach dem Umklappen der Rücksitze ergibt sich bei beiden Autos ein recht ebener Ladeboden. Dabei hilft ein Einlegebrett. Dieses ist Serie bei Audi, bei Mini kostet es 250 Euro Aufpreis – das gleicht sich mit der doppelt geteilten Rückbank aus. Einen wirklich deutlichen Vorteil hat der größere Mini aber beim Kofferraumvolumen: 355 bis 1.000 Liter sind es beim Q2, der Countryman bietet dagegen 450 bis 1.390 Liter an – das ist etwa so viel Unterschied wie zwischen einem Klein- und einem Kompaktwagen.

Audi: Schickes, aber sündteures Virtual Cockpit
Die Materialqualität und die Verarbeitung ist bei beiden Testwagen top. Der Mini wirkt eher etwas schwülstig, während der Audi einen nüchternen Touch hat. Im Cockpit unseres Q2 glänzt das schicke Virtual Cockpit, das allerdings nur zusammen mit sündteuren Elementen wie dem MMI Navigation plus mit MMI touch bestellt werden kann und dann sündteuer ist (3.200 Euro). Beide Wagen haben ein praktisches Head-up-Display, auf dem auch das gefahrene Tempo erscheint.

ANTRIEB
Was den Antrieb angeht, haben uns die Testwagenabteilungen von Audi und Mini ein Ei gelegt. Denn die Autos sind nicht ganz gleichwertig. Der Audi hat Allradantrieb und ein Doppelkupplungsgetriebe, während der Mini mit Frontantrieb und Schaltung auskommen muss. Nun, so ist es eben. Außerdem spürt man den Allradantrieb bei trockener Fahrbahn ohnehin nur im Grenzbereich, und den Audi kann man auch per Hand schalten, um einen besseren Vergleich zu haben.

Viel Turbo-Hui bei beiden
In puncto Motor gleichen sich die Testwagen wie ein Ei dem anderen. Es ist beide Male ein Zweiliterdiesel mit 150 PS und 330 Newtonmeter (Mini) oder 340 Newtonmeter (Audi). Das Drehmoment ist nicht nur auf dem Papier so wuchtig – beide Motorisierungen machen enorm viel Spaß. Der Audi beschleunigt etwas schneller (8,1 statt 8,9 Sekunden beim Mini), fühlbar ist das aber nicht. Es gibt aber auch ein paar Unterschiede: Während der Mini-Diesel seine Kraft ziemlich gleichmäßig entwickelt, hat der Audi einen definierten Punkt, ab dem er richtig loslegt – etwa 1.600 Touren. Der Mini hebt sich auch bei der Akustik ab: Das Motorengeräusch ist hier leiser, aber er fällt im unteren Tourenbereich (um die 1.200 Touren) durch dumpfes Dröhnen unangenehm auf. Ein weiterer Unterschied ist, dass nur der Audi ein SCR-System zur Abgasreinigung bietet: Unter der Tankklappe leuchtet beim Q2 ein blauer Adblue-Einfüllstutzen. Dies ist allerdings nicht bei allen Q2-Dieseln so, sondern nur bei den Allradlern. Der Mini hat kein SCR-System, ist aber darauf vorbereitet. Das kann man an dem fest verschlossenen Einfüllstutzen unter der Tankklappe sehen.

Audi nur mit S tronic
Was das Getriebe angeht, ist die Sache einfach: Den Mini Cooper D Countryman gibt es mit Schaltung und mit Automatik. Dagegen gibt es den Audi mit 150-PS-Diesel nur in Kombination mit Doppelkupplungsgetriebe. Für Leute, die zwischen den beiden Autos hin- und herschwanken, ist damit die Wahl auch abhängig von der Getriebepräferenz: Schaltfreunde kaufen den Mini, Automatikfans können wählen.

Ähnlicher Allradantrieb
Beide Autos gibt es mit Allradantrieb, der bei beiden Modellen auf einer elektronisch gesteuerten Kupplung basiert. Diese leitet bei Bedarf Drehmoment an die Hinterachse – das ist bei sportlicher Fahrweise auch in schnell gefahrenen Kurven der Fall, um ein Untersteuern zu verhindern. Der Aufpreis beim Countryman beträgt 2.000 Euro, beim Q2 ist er ebenso hoch (errechnet: S-tronic und quattro kosten zusammen 4.000 Euro, S-tronic alleine kostet 2.000 Euro). Auf trockenem Asphalt ist der Allradantrieb des Q2 wie gesagt nur spürbar, wenn man sich im Grenzbereich bewegt: In einem mit quietschenden Reifen bei 40 km/h durchfahrenen Kreisverkehr ist der Audi etwas leichter in der Bahn zu halten.

FAHRWERK UND LENKUNG
Beide Autos besitzen neben der üblichen McPherson-Federbeinachse vorne eine recht aufwendige Mehrlenker-Hinterachse. Die Unterschiede zwischen den beiden Kandidaten sind in der Fahrpraxis gering, doch die meisten Tester fanden den Mini eine Spur komfortabler. Er wankt aber auch etwas mehr – was am höheren Karosserieaufbau liegen mag.

Schwergängige Mini-Lenkung
Ein eindeutiges Unterscheidungsmerkmal ist, dass der Mini eine wesentlich schwergängigere Lenkung besitzt. Wie man das beurteilt, ist aber wieder Geschmacksache – ich persönlich ziehe das leichte Gefühl im Audi vor. Der Q2 besitzt serienmäßig eine Progressivlenkung. Dabei sorgt eine ungleichmäßige Verzahnung der Zahnstange für unterschiedliche Übersetzungen bei verschiedenen Lenkwinkeln: Mit zunehmendem Einschlag wird die Lenkung direkter, was die Lenkarbeit in der Stadt und beim Rangieren reduziert. Beim Linksabbiegen in der Stadt ist das zu spüren.

KOSTEN UND AUSSTATTUNG
Eingangs sagten wir, dass beide Autos so um die 30.0000 Euro kosten. Das stimmt allerdings nur, wenn sie nackt sind. Wer unsere Testwagen in der Testausstattung kauft, muss schon gut bemittelt sein: Für den gefahrenen Q2 ruft Audi 52.615 Euro auf und der getestete Mini käme laut Konfigurator auf 45.310 Euro. Das sind Preise, für die man auch schon (fast) einen BMW 5er bekommt.

Der Mini ist teurer
Ohne Extras kostet der Audi Q2 2.0 TDI quattro S tronic mit 150 PS dagegen 32.650 Euro, den Mini Cooper D Countryman Automatik bekommt man ab 32.050 Euro. Der Audi ist aber nur teurer, weil er Allradantrieb hat. Einen fairen Vergleich ermöglichen die Versionen mit Frontantrieb und Handschaltung. Dann kostet der Audi 28.150 Euro (noch nicht in der Preisliste enthalten), der Mini ist mit 30.100 Euro ziemlich genau 2.000 Euro teurer.

Schon die Basisausstattung ist annehmbar
Beide Autos sind bereits ohne Extras annehmbar ausgestattet. Elektrisch einstellbare Außenspiegel, elektrische Fensterheber rundum, eine Zentralverriegelung mit Fernbedienung, eine elektrische Parkbremse, eine Klimaanlage, ein Radio und ein Antikollisionssystem sind bei beiden Serie. Der Mini hat darüber hinaus noch 16-Zoll-Alufelgen, eine doppelt geteilte Fondlehne, ein schlüsselloses Startsystem, eine Notruffunktion sowie Licht- und Regensensor. Die Ausrüstung des Audi ist etwas spartanischer. Für den Grundpreis erhält man außer den genannten Elementen nur 16-Zoll-Stahlfelgen, einen Kofferraum-Einlegeboden und die Progressivlenkung.

Ein Heer von Assistenten
Das Extra-Angebot ist bei beiden Autos premiumgerecht – also ziemlich umfangreich. Abstandstempomat mit Stop&Go-Funktion (beim Audi bis 200 km/h, beim Mini nur bis 140 km/h), Totwinkelassistent, Spurhalteassistent, Verkehrszeichenerkennung, Fernlichtassistent, Parkassistent, LED-Scheinwerfer, elektrisch bediente Heckklappe, adaptive Dämpfer, Fahrmodus-Auswahl: Solche Systeme gibt es für beide Modelle. Den Audi kann man außer mit dem Virtual Cockpit auch mit einem Querverkehrsassistenten und einem Stauassistenten (auf Basis von Radar, Kamera und Ultraschallsensoren) sowie schicken Wischblinkern ausstatten, jedoch nicht mit einer sensorgesteuerten Heckklappe. Bei Mini gibt es umgekehrt die Sensorsteuerung, aber keine Wischblinker. Auch große Displays gibt es natürlich (Mini bis 8,8 Zoll, Audi bis 8,3 Zoll), genauso wie eine Smartphone-Anbindung.
(sl)

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